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             Eine Herausforderung:                ADS/ADHS und Hausaufgaben

Kinder mit ADS/ADHS benötigen meist auch bei der Hausaufgabenbewältigung viel Struktur und enge Betreuung. Vor allem zu Beginn der Schulzeit können diese Kinder ihre Hausaufgaben nicht wirklich alleine machen, sie suchen nach Halt und Unterstützung bei der Bewältigung der an sie gestellten Anforderungen.

 

Überlegen Sie, ob Sie die tägliche Hausaufgabenbetreuung mit Ihrem Partner aufteilen oder sogar an eine emotional weniger involvierte Person übertragen können.

Tipps zur Hausaufgabenbewältigung

1. Kinder mit ADS/ADHS können sich nicht immer gut an ihre Hausaufgaben erinnern. Um diesbezüglich Stress zu vermeiden, kann die Klassenleitung einen Wochenplan vorgeben an dem sich das Kind - und im Hintergrund die Eltern - ortientieren können. Falls es keinen Wochenplan gibt, ist es empfehlenswert täglich gemeinsam das Hausaufgabenheft anzusehen und die einzelnen Fächer zu besprechen, damit das Kind eine Struktur erlangt und schnell lernt, das Hausaufgabenheft selbständig zu pflegen.

 

2. Für den Zeitpunkt der Hausaufgaben, ist es empfehlenswert Ablenkung zu minimieren. Hilfreich können z.B. ein ruhiger Platz, eine Smartphone freie Zone, keine Fernsehbilder/ -geräusche und ein aufgeräumter Arbeitsplatz (ohne Spielzeug, Bücher, etc.) sein. Ein übersichtliches Ablagesystem verhilft zu Ordnung und Struktur. Auch macht es Sinn, einen festen Zeitpunkt für die Hausaufgaben zu wählen und diesen möglichst einzuhalten.

 

3. Lassen Sie Ihr Kind mit einer einfacheren Aufgabe beginnen und sich dann steigern. Für einen positiven Abschluss kann wieder eine leichte Aufgabe zum Ende der Hausaufgaben sorgen. Dies geht natürlich nur, wenn Ihr Kind noch nicht ganz selbständig die Hausaufgaben angeht.

 

4. Häufig benötigen Kinder mit ADS/ADHS für die Hausaufgaben eine gewisse Anlaufzeit. Verzichten Sie auf schimpfen oder drohen, sondern stellen Sie die Hausaufgaben als völlig normal und selbstverständlich dar. Lassen Sie sich dabei nicht auf Diskussionen ein, aber bleiben Sie liebevoll und klar.

 

5. ADS/ADHS Kinder leben für den Moment. Daher kann es sinnvoll sein, zwischendurch eine kleine Belohnung oder Aufmerksamkeit zu geben. Ein Stück Schokolade, ein paar Gummibärchen, ein Kaugummi oder ein Lieblingsgetränk können ein attraktiver Anreiz bei der Bewältigung der weiteren Aufgaben sein. Mit Belohnungen oder Anreizen zu einem späteren Zeitpunkt zu locken, ist dagegen weniger sinnvoll. Strafen sollten im Kontext mit Hausaufgaben besser nicht angedroht werden. Hausaufgaben sind per se schon eine große Herausforderung für die meisten ADS/ADHS-Kinder.

 

6. Häufig lässt die Konzentration bei ADS/ADHS-Kindern nach spätestens 20 Minuten nach. Um dem entgegen zu kommen, können Aufgaben in kleinere Pakete unterteilt werden. Zwischen den einzelnen Abschnitten kann z.B. eine kurze Bewegungspause eingelegt werden. Allerdings sollte die Pause nicht ausufern. Die Pausenzeit kann z.B. an der Dauer eines Liedes festgemacht oder mit einer Klangschale beendet werden.

 

7. Viele Kinder wollen die Hausaufgaben nicht alleine in ihrem Zimmer machen. Lassen Sie Nähe ruhig zu. An einem aufgeräumter Küchentisch beispielsweise lässt es sich auch gut arbeiten.

 

8. Vielen ADS/ADHS-Kindern scheint Hintergrundmusik zu helfen, besser lernen zu können. Wenn sich das Kind davon nicht ablenken lässt, dann steht Musik nichts entgegen.

 

11. ADS/ADHS-Kinder lieben Rituale. Sei es der feste Arbeitsplatz in bekannter Atmosphäre oder Sie können z.B. Ihr Kind zu Beginn der Hausaufgabenphase eine Kerze anzünden lassen. Es beruhigt diese Kinder, wenn die Abläufe immer nach dem gleichen Schema ablaufen.

 

10. Loben, loben, loben. Loben Sie Bemühungen genauso wie Erfolge. Zeigen Sie Freude, wenn die Hausaufgaben geschafft sind und vermeiden Sie genervte Reaktionen, wenn es mal (wieder) was länger dauert. Haben Sie Verständnis, wenn es an manchen Tagen mal nicht ganz so gut klappt. Akzeptieren Sie Leistungsschwankungen Ihres Kindes.
 

 

Und wenn Sie den Eindruck haben, dass die Menge der Hausaufgaben zu groß ist, dann sprechen Sie ruhig freundlich den Lehrer/die Lehrerin an. Die ADS/ADHS-Thematik sollte  sowieso bekannt sein und eine Sonderlösung kann sicherlich in den meisten Fällen gefunden werden. Leitfaden für Lehrergesprächen.