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AD(H)S - erkennen, verstehen, akzeptieren

Was versteht man aus medizinischer Sicht unter AD(H)S?

 

ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) bzw. ADHS (Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität) ist grundsätzlich eine neurobiologische Störung, die vor allem durch erhebliche Konzentrationsschwäche und fehlende Aufmerksamkeitsspanne, reduzierte Impulskontrolle und emotionale Entwicklungsverzögerungen gekennzeichnet ist. Die neurobiolgische Ursache, scheint an einer mangelhaften Steuerung an Botenstoffen im Gehirn zu liegen.

 

Die Schwierigkeiten werden drei Hauptsymptomen zugeordnet:

  • Aufmerksamkeitsstörung
  • Impulsivität
  • Hyperaktivität (H)

 

Was kann AD(H)S für die Familie bedeuten?

 

AD(H)S in der Familie kann das Leben schon mal ordentlich auf den Kopf stellen. Der Alltag mit AD(H)S kann besonders bunt, kreativ, emotionsgeladen, verrückt, laut, leise, lustig, anstrengend, einfach anders als erwartet sein. Doch, wenn die Familie lernt, AD(H)S-Symptome zu verstehen, zu akzeptieren und mit den Besonderheiten (weitgehend) gelassen umzugehen, dann kann diese - oft so stigmatisierte Diagnose - die Dramatik verlieren und positive Aspekte werden im Vordergrund stehen können.

 

AD(H)S-Symptome können sich zum Beispiel durch folgende ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten zeigen :

  • Schnelle Reizüberforderung
  • Unaufmerksamkeit
  • Geringe Ausdauer
  • Sehr starker Bewegungsdrang (Hyperaktivität)
  • Lautstärke
  • Häufiges Reden
  • Oppositionelles Verhalten
  • Hohe sensible Wahrnehmung
  • Hohe Impulsivität

 

Wichtig zu verstehen ist, dass die Ausprägung der Symptome bei jedem Kind anders ausfällt. Neben der individuellen Reizverarbeitung im Gehirn hat auch die Belastungsgrenze der Eltern und das soziale Umfeld großen Einfluss auf die Intensität der Verhaltensweisen. Besonders intensive Verhaltensweisen des Kindes können früher oder später die Familie so überstrapazieren, dass Sorgen, Konflikte und Stress in der Familie überhand nehmen. Ursachenforschung, Elternberatung, Selbsthilfemaßnahmen, therapeutische Unterstützung bzw. besondere Fördermaßnahmen können dann angeraten sein. 

 

Die Ursachen von ADS/ADHS-Symptomen können sehr vielfältig sein. In der Regel ist es so, dass sich mehrere, diverse Einflussfaktoren auf das wenig stromlinienförmige Verhalten auswirken. ADS/ADHS-Ursachen können z.B. sein:

 

  • Stoffwechselstörungen (Mangel an Neurotransmittern im Gehirn)
  • Genetische Voraussetzungen
  • Traumatische Erlebnisse im Kleinkindalter
  • Ungefilterte Reizverarbeitung / Wahrnehmungsstörungen
  • Entwicklungsverzögerung
  • Verklemmte Wirbel (z.B. Halswirbel)
  • Extreme Stressfaktoren im Kleinkindalter
  • Schnelle Überreizung des Nervernsystems aufgrund einer hochsensiblen Wahrnehmungsfähigkeit
  • ...

 

Was genau ist nun AD(H)S?

A nders

D och

H och spannendend, heldenhaft und hypersensibel

S uperkreativ und sensationell stark

 

ADHS - oder auch das  "Zappelphilipp-Syndrom"

 

ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und bezeichnet eine Verhaltensstörung von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Gekennzeichnet ist das Verhalten durch

  • starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen,
  • ausgeprägte Unruhe und
  • starke Impulsivität

Laut dem Selbsthilfebuch "Wackelpeter & Trotzkopf" von Döpfner, Schürmann, Lehmkuhl gibt es nicht die eine ADHS-Eigenschaft, in der Regel liegt eine Kombination aus verschiedenen Symptomen vor.

 

ADS

 

Ein Kind mit ADS zeigt laut Frau Dr. Simchen auf Gesundheitsseiten.de keine Hyperaktivität, sondern ist eher ruhig, unaufmerksam und verträumt. Diese Wahrnehmungsbesonderheit führt aber ebenso häufig zu Schwierigkeiten in Schule, sozialem Umfeld und im familiären Alltag.

 

Kinder mit ADS/ADHS haben eine andere Wahrnehmung von ihren Schwächen und Wirkungen auf andere. Sie können sich häufig nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen und mögliche Reaktionen einschätzen. Darüber hinaus können diese Kinder eigene Erfolge oft selbst nicht wertschätzen, was dazu führt, dass sie bei anhaltend negativen Rückmeldungen aus ihrer Umgebung Versagensängste und stark mangelndes Selbstvertrauen entwickeln.

 

Woran erkennt man eigentlich eine "AD(H)S-Verhaltensauffälligkeit"?

 

Kinder, die eine AD(H)S-Diagnose erhalten, haben also in der Regel eine geringe Aufmerksamkeistspanne, reagieren schnell impulsiv und emotional.

 

Unaufmerksamkeit kann z.B. bedeuten, dass ein Kind...

  • ...Einzelheiten nicht beachtet oder Flüchtigkeitsfehler macht,
  • ...Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Ausdauer hat,
  • ...ungern Anweisungen durchführt und Auffordeungen von z.B. Eltern und/oder    Lehrern verweigert,
  • ...Schwierigkeiten hat, Aufgaben zu organisieren
  • ...oder sich leicht durch Reize ablenken lässt.

 

Hyperaktives und impulsives Verhalten bedeutet z.B., dass ein Kind...

  • ...häufig herumzappelt und kaum still sitzen kann,
  • ...häufig aufsteht, auch in unpassenden Situationen,
  • ...häufig herum läuft oder klettert,
  • ...Schwierigkeiten hat sich ruhig und ausdauernd zu beschäftigen,
  • ...schwer abwarten kann und andere häufig bei Gesprächen unterbricht,
  • ...oder auch übermäßig viel redet.

Die beeinträchtigten Abläufe im Gehirn können zu Konzentrationsproblemen, Lernschwierigkeiten, niedrige Frustrationstoleranz, emotionalen Störungen und sozialen Schwierigkeiten führen.

 

Eine besonders ausgeprägte (Hoch-) Sensibilität, Feinfühligkeit und damit einhergehend eine intensive Gefühls- und Gedankenverarbeitung scheinen häufige Begleiterscheinung von Menschen mit AD(H)S zu sein. Direkt gesagt werden kann, dass eine hohe Wahrnehmungs- und Empathiefähigkeit die Grundlage für das Wirken vieler sozial engagierter, kreativer, wunderbarer Menschen ist.

 

 

Was heißt das, Hochsensibilität?

 

"Es sind aber auch die hochsensiblen Kinder, die Beziehung einfordern! Sie wollen gesehen, wahr genommen und gespürt werden."

Tanja Suppiger, HerzBauchWerk

 

Es scheint, dass AD(H)S-Kinder sehr häufig eine hochsensible Wahrnehmung grundlegend mitbringen. In der Welt des hypersensiblen Kindes läuft ganz vieles anders als “normal”. Gefühlt sind sie z.B. häufiger mal beleidigt, reagieren auffallend stark auf z.B. Geräusche, Situationen, Stimmungslagen.

 

Hochsensible Menschen nehmen nach Aussage von Kristin Wirtz, Psychologische Beratung und Personal Coach aus Köln, ihre Umgebung intensiver wahr und denken mehr über sie nach. Sie sind empfindsamer als die meisten Menschen und schneller überreizt. Eine ständige Reizüberflutung kann zu starken Konzentrations- und Verhaltensstörungen führen. Andererseits kann Hochsensibilität aber auch eine besondere Stärke sein - wenn das Kind und sein nahes Umfeld diese ungewöhnliche Wahrnehmungsfähigkeit akzeptiert und damit bewusst umgehen lernt.

 

Hochsensible Kinder bringen spannende Facetten mit ins Leben:

  1. Sie sind auf Feinheiten und Details fixiert
  2. Sie sind schnell überreizt oder übermässig erregt
  3. Sie zeigen tiefe innere Reaktionen
  4. Sie haben ein Bewusstsein für die Gefühle anderer
  5. Sie sind vorsichtig bei neuen, evt. gefährlichen Situationen und brauchen ihre Anlaufzeit
  6. Sie erregen mit ihrem Anderssein Aufmerksamkeit

(Quelle: Das hochsensible Kind, von Elaine N. Aron)

 

Nun hat ja nicht jeder hochsensible Mensch gleich AD(H)S. AD(H)S-Symptome scheinen dann aufzutreten, wenn Gehirn und Körper ständig so übermäßig von einer dauerhaften Reizüberflutung überfordert werden, dass ein sozialintegriertes Leben kaum ohne besondere Unterstützung möglich ist.

 

Wenn auch Kinder mit einer AD(H)S-Diagnose also nicht als krank, schlecht erzogen oder sonstwie negativ belegt werden, sondern die feine, empathische, ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit als eine wunderbare Gabe betrachtet werden würde, das wäre doch großartig, oder?

 

 

Leben mit hochsensibler Wahrnehmung

 

Hier ein spannender Artikel aus dem Schweizer Magazin "wireltern" zum Thema Hochsensibilität mit einem Beitrag zu hochsensiblen Müttern mit Familiencoach KooperationspartnerTanja Suppiger von HerzBauchWerk:

Hochsensibilität: "Tanz der Gefühle"
ArtikelWirEltern.pdf
PDF-Dokument [562.0 KB]

Mehr von KooperationspartnerTanja Suppiger zum Thema Hochsensibilität kann sich in ihrem Vortrag "Von hochsensiblen Müttern und Kindern" angehört werden. Hier ein Link auf einen einstündigen Vortrag für die Herbstfachtagung der La Leche League Schweiz vom 24.10.2020 über Vimeo-Video: https://vimeo.com/466470335/7585efe9ad

 

KooperationspartneTanja Suppiger bietet besondere und intensive Online- Familien-/Frauen-Coachings für feinfühlige Menschen an.

Muss also unbedingt der Begriff AD(H)S verwendet werden?

 

Um als Eltern leichter verstehen, akzeptieren und handeln zu können, kann es hilfreich sein, "dem Kind einen Namen zu geben". AD(H)S stellt einen in unserer Gesellschaft mittlerweile allgemein bekannten Oberbegriff dar, um die vielfältigen Verhaltensauffälligkeiten benennen zu können.

 

Die Bezeichnung ADHS ist in unserer Gesellschaft aber leider noch eher stigmatisiert. Die vier Buchstaben können allerdings auch positiv belegt werden. Wie wäre es mit:

 

Anders - Denken - Hören - Sensibel

 

Sicherlich kann gesagt werden, dass sich kein Kind mit Absicht "falsch" verhält. Ein Kind, dass schon im jungen Alter immer wieder emotional und sozial in Notsituationen gerät, handelt einfach irgendwann verstärkt abwehrend und störend.

 

Es gibt trotz allem heutigen Wissen über diese "Verhaltensstörung" weder ein Pauschalrezept, wie dem ADS/ADHS-Verhalten zu begegnen ist, noch "die eine" erfolgreiche Therapieform. Die Symptome und Verhaltensweisen sind bei jedem Kind unterschiedlich ausgeprägt. Diagnostizierte Kinder müssen nicht alle im gleichen Maße ärztlich bzw. therapeutisch behandelt werden, denn jede familiäre Situation ist verschieden, jedes Kind hat seine eigene, ganz besondere Persönlichkeit, jedes Umfeld agiert auf eigene Art und Weise. Es kann Eltern (und Ärzten) helfen, möglichst weitgehend die Ursache herauszufinden, um das Kind bestmöglich fördern und therapeutisch begleiten zu können.

Ein wichtiger Schritt neben jeder Therapieform ist bestimmt, dass Eltern bzw. die Familie lernen, mit "Fehlverhalten", Konfliktsituationen sowie Stress gelassen und mit sich selber liebevoll umzugehen.

 

Klarheit, Akzeptanz, Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse und viel Humor sind eine gute Basis für ein möglichst stabiles Familienleben.

Ein sehr berührender öffentlicher Brief an Mamas mit schwierigen Kindern

(gilt bestimmt auch für Papas) wurde auf www.frauenheute.com veröffentlicht:

 

"Liebe Mama mit dem schwierigen Kind.

 

Ich weiß, Du fühlst Dich verurteilt.

Während alle anderen Kinder lachen, weint Deines.

Während die anderen Kindern spielen, hat Deines einen Trotzanfall.

 

Während die anderen Kinder händchenhaltend, lachend durch den Park rennen, versteckt sich Deines hinter Dir, umklammert Deine Beine, als würde es ums Leben gehen und bettelt, dass es nach Hause will.

 

Während die anderen Kinder zuhören, versucht Deines Dich zu schlagen. In der Öffentlichkeit. Schon wieder.

 

Fremde geben Dir den Rat: „Alles, was Kinder brauchen, sind klare Grenzen.“- „Schaut so aus, als würde da jemand ein wenig Respekt lernen müssen!..."

 

Freunde werfen Dir einen traurigen Blick zu und schauen demonstrativ weg, während Du versuchst, Dein Kind zu beruhigen.

 

Du fühlst Dich als Versager, weil alles nicht mehr funktioniert, was irgendwann einmal funktioniert hat.

 

Du fühlst Dich, als würde die ganze Welt mit dem Finger auf Dich zeigen und den Kopf schütteln.

 

Du hast Angst vor der Zukunft.

 

Du gehst durchs Leben mit Deinem Kind – Hand in Hand. Du liebst es mehr als alles Andere auf der Welt. Auch wenn es nur ein stiller Wunsch ist, in der kleinsten Ecke von Deinem Herz: Manchmal wünschst Du dir, dass alles nur ein kleines bisschen einfacher wäre.

 

Aber Du versuchst es weiter. Du gehst wieder in den Park, obwohl Du weisst, wie es enden wird. Du begleitest Dein Kind, Du nimmst es in den Arm. Auch wenn es manchmal hart ist, es ist Dein Kind.

 

Dein Kind, das du liebst. Dein Kind, das du um nichts in der Welt tauschen würdest.

 

Dein Kind – Für immer.  Es ist ein Teil von Dir.

 

Verschwende keine Zeit, indem du Dir überlegst, was andere Menschen denken. Verschwende keine Zeit, indem Du anderen Kindern zuschaust und Dir denkst, wieso alle anderen Kinder soviel einfacher sind. Verschwende keine Zeit mit: was wäre wenn…

 

Vielleicht, nur vielleicht, gibt es einen Grund, warum genau DIESES Kind bei Dir ist, und Du weisst irgendwann wieso. Irgendwann, wenn das Kind erwachsen ist und die Trotzanfälle mitten auf der Strasse verblasste Erinnerungen sind.

 

Bis dahin versuch es immer wieder. Begleite, umarme und liebe Dein Kind – Bedingungslos."

 

hier zuende  lesen

 

Quelle: http://frauenheute.com/2015/10/09/an-die-mama-mit-dem-schwierigen-kind/ (Autorin: Fleur)

Video-Tipps:

"ADHS: Ursachen und Bekämpfung - Welt der Wunder"

Quelle: youtube.com (Dauer: 12 Minuten)

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