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Diagnose von ADS/ADHS

Was bringt eine Diagnose?

 

ADS/ADHS kann einem Menschen bis ins Erwachsenenalter begleiten. Damit das betroffene Kind, die Familie und das weitere soziale Umfeld schon früh mit den herausfordernden Verhaltenseigenschaften umgehen lernen, ist es empfehlenswert,  ADS/ADHS-Symptome ernstzunehmen und gegebenenfalls therapeutische Unterstützung anzunehmen.

 

Eine Diagnostik vn AD(H)S umfasst mehrere Teilbereiche, die Einfluss auf eine ADHS-Symptmatik haben können.

 

Grundlagen der Diagnostik*:

 

1. Betrachtung der Entwicklungsgeschichte des Kindes und seiner Familie mit Blick auf seelische, organische oder allergische Erkrankungen.

2. Organische und neurologische Untersuchung des Kindes.

3. Diagnostik der motorischen Entwicklung, des Verhaltens, der Steuerungs- und Leistungsfähigkeit, der Intelligenz sowie des Sozialverhaltens.

4. Suche nach Hinweisen auf Fehlentwicklungen.

5. Überprüfung des Leidensdrucks des Kindes und auch der Familie.

6. Betrachtung von vorliegenden Zeugnissen und Diagnosen/Voruntersuchungen.

7. Fokussierung auf Stärken und besonderen Fähigkeiten des Kindes.

8. Einbindung des Familiensystems in eine auf Stärken orientierte Diagnose und eine darauf basierende Behandlung.

 

*Quelle: "ADS. Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im Diktat - Diagnostik, Therapie und Hilfen für das hypoaktive Kind - 8. Auflage" (Autorin: Helga Simchen,  Verlag Kohlhammer).

 

Eine Diagnose führt nicht gleich zur schnellen Lösung, kann aber sinnvoll sein.

  • Eine Diagnose kann wichtig sein, um psychotherapeutische Unterstützung von der Krankenkasse genehmigt
  • oder Medikamente verschrieben zu bekommen.
  • Außerdem kann die Diagnose den Eltern helfen, die Verhaltensschwierigkeiten eher  akzeptieren und gezielter nach Unterstützung suchen zu können.

Die Diagnostik beruht also auf fachärztliche Befunde, auf Verhaltensbeobachtungen und auf Bewertungen des Verhaltens durch die Eltern, Lehrer/Erzieher und des weiteren Umfelds des Kindes.

 

Es gibt keine eindeutigen Testverfahren, aber häufig werden andardisierte Fragebögen wie der "Fragebogen zu Stärken und Schwächen" (SDQ)"  (Quelle: http://www.adhs.info/fuer-paedagogen/speziell-primarbereich/diagnostik/sdq-deu-e.html) eingesetzt, Verhaltensbeobachtungen oder auch Videoanalyse und Leistungs,- Intelligenz- und Familiendiagnostik vorgenommen.

 

Zur genauen Abklärung von Verhaltensauffälligkeiten sollte ein Kinderpsychiater zur Rate gezogen werden. Eine auführliche fachärztliche Untersuchung mit einem systemmischen Blick auf den Verlauf, alle Lebensbereiche, allen Beteiligten wie Familie und Schule sowie auf mögliche Erklärungsmodelle ist wichtig, um den Verhaltensauffälligkeiten richtig begegnen zu können.

Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ) - Kurzform für Eltern und Lehrer
Quelle: www.sdqinfo.com/
SDQ_German_pt4-17single.pdf
PDF-Dokument [118.8 KB]

Wer diagnostiziert ADS/ADHS

 

Da im Rahmen der Diagnostik andere psychische Störungen sowie Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen, liegt die Diagnostik in den Händen von Ärzten. Dies können Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychologie oder Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin mit Fachausbildung sein. Psychotherapeuten und Heilpraktiker dürfen ebenfalls eine Diagnose stellen. Als gute Anlaufstelle stehen neben dem vertrauten Kinderarzt zum Beispiel Sozialpädiatische Zentren (SPZ) zur Verfügung, in denen Ärzte, Psychologen und Therapeuten zusammenarbeiten. Für die Untersuchungen wird eine Überweisung eines Arztes z.B. des Kinderarztes benötigt.

 

Ein SPZ in Ihrer Nähe kann auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. www.dgspj.de/ gefunden werden.

 

Familienberater, Erzieher, Lehrer oder Ergotherapeuten z.B. dürfen ADS/ADHS nicht diagnostizieren, sondern dürfen nur auf die Verhaltenssymptome hinweisen und ggf. zu einer Untersuchung anraten.

 

Eine Verhaltenssymptomatik eines AD(H)S entsteht häufig aufgrund diverser Einfluss-Faktoren. Aufgabe eines Diagnostikers ist es, Ursachen für das auffällige Verhalten herauszufinden und möglichst die passende Therapieform zu empfehlen. Ursachen bzw. Einflussfaktoren auf AD(H)S-Symptome können neben genetischen Voraussetzungen auch im emotional-psychischen (z.B. Überforderung, Depression, Angst), im kognitiven (z.B. Hochbegabung oder Leistungsstörungen) oder im somatischen (z.B. Erschöpfung, Stoffwechsel- oder Hörstörung) Bereich liegen. Erziehungsstil, familiärer Stress oder Wohnverhältnisse können sich ebenfalls auf das Verhalten auswirken. Entsprechend muss sehr genau geguckt werden, welche Therapieform hilfreich sein kann. Medikamente können ggf. unterstützend sinnvoll sein, aber nur nach ausführlicher Diagnose und wenn wirklich keine andere Therapieform oder Maßnahme greift.

 

Gibt es  AD(H)S heute öfter als früher?

 

ADHS-typisches Verhalten hat es auch in der Vergangenheit gegeben, nur entsteht der Eindruck, die Diagnose AD(H)S würde in der heutigen Zeit häufiger gestellt werden. Unsere Gesellschaft scheint, vermutlich aufgrund des medizinischen Fortschritts und wissenschaftlicher Erkenntnisse, immer besser informiert und schneller in der Lage zu sein, die extremen Verhaltensschwierigkeiten eines AD(H)S-Kindes einzuordnen.

 

Dazu kommt wohl, dass ein anscheinend gestiegener Konformitäts- und Leistungsdruck schwer auf manchen Kindern, aber auch Erwachsenen, zu lasten scheint. Viele der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre - z.B. in den Bereichen Medien, Schnelllebigkeit, Konsum, Ernährung, Arbeitsbedingungen, Stress, räumlich getrennte Familienstrukturen, etc. - verstärken möglicherweise die ADHS /ADS - Symptomatiken.

 

5 % der Kinder - und Jugendlichen von 3 - 17 Jahren sind nach Schätzungen betroffen - darunter besonders viele Jungs. Nach Darstellung auf adhs-deutschland.de werden in Deutschland viermal häufiger Jungs als Mädchen diagnostiziert. Viele davon werden bereits im Kindergartenalter "auffällig". In der Schule kann das Verhalten zu noch mehr Schwierigkeiten führen.

 

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Ursachen(forschung)

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt es sich bei AD(H)S vorrangig um eine Funktionsstörung im Stirnhirnbereich und einiger Nervenzentren, mit denen das Stirnhirn in Verbindung steht. Die Unterfunktion im Gehirn kommt dabei durch eine mangelhafte Zufuhr an Botenstoffen wie z.B. Dopamin oder Noradrenalin zustande. Ein Mangel an  Botenstoffen lässt sich z.B. über anerkannte "Hormontestverfahren" analysieren. Lesen Sie hier mehr.

 

 

 

 

 

 

Die AD(H)S-Selbsthilfegruppe in Hennef freut sich über neue Eltern.

Kontakt: selbsthilfegruppe(at)

familie-mit-adhs.de