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Ursachen von ADHS

Woher können diese Verhaltensschwierigkeiten kommen?

 

Die Ursachen können vielfältig sein und sind oft schwer auszumachen.

 

Wichtig zu verstehen ist, dass ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom erst einmal nichts mit falscher Erziehung der Eltern zu tun hat, sondern es sich hierbei nach wissenschaftlichen Erkenntnissen vorrangig um eine Funktionsstörung im Stirnhirnbereich und einiger Nervenzentren, mit denen das Stirnhirn in Verbindung steht, handelt. Die Unterfunktion in mehreren Stellen im Gehirn kommt dabei durch eine mangelhafte Zufuhr an Botenstoffen - wie z.B. Dopamin oder Noradrenalin - zustande. Die Störung der Hirnreifung kann im Jugendalter durch Wachstum und Hirnentwicklungsprozesse behoben werden, sie kann aber auch bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

 

Nach Aussage von Professor Andreas Reif - veröffentlicht in der Mitgliederzeitschrift von ADHS-Deutschland e.V. "neueAkzente" (Ausgabe 1/2018) - wurden in den letzten Jahren verstärkt Belege gefunden, dass man "ADHS als kompelx-genetische Erkrankung verstehen kann, bei der die Kombination einer Vielzahl von Risikogenen zur Erkrankung führt." AD(H)S-Verhalten scheint also grundsätzlich genetischen Einflüssen zu unterliegen, welche bei Vorliegen weiterer Faktoren zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Verhaltens-/ und Leistungsstörungen führen können. Der Schweregrad fällt dabei bei jedem Kind unterschiedlich aus und nicht in jedem Fall sind Verhalten und Entwicklung über die Maße durch einen Mangel an Botenstoffen beeinträchtigt.

 

Neurobiologische Erklärung

 

ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) bzw. ADHS (Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität) ist grundsätzlich eine neurobiologische Störung, die vor allem durch erhebliche Konzentrationsschwäche und fehlende Aufmerksamkeitsspanne, reduzierte Impulskontrolle und emotionale Entwicklungsverzögerungen gekennzeichnet ist. Die neurobiolgische Ursache scheint an einer mangelhaften Steuerung an Botenstoffen im Gehirn zu liegen.

 

Die bekanntesten Botenstoffe mit Einfluss auf AD(H)S-Verhalten sind:

  • Dopamin,
  • Noradrenalin
  • Serotonin oder
  • Cortisol

Durch den Mangel an Botenstoffen können Kinder ihre Aufmerksamkeit nicht lange aufrecht erhalten. Die Gehirntätigkeit wird in Folge durch Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise übermäßig viel reden oder herumzappeln aktiviert.

 

Die Informationsverarbeitung findet in den Vorderhirnlappen statt, wo z.B. Dopamin-Hormone für eine optimale Reiz-/Informationsweiterleitung in diesem Bereich sorgen.

Dieser Botenstoff (Neurotransmitter) kann die kognitive Wahrnehmungsfähigkeit deutlich steigern: Sei es z.B. im Schulunterricht, beim Sport oder am Essenstisch: Das Gehirn eines Menschen nimmt ständig Eindrücke, Gefühle, Empfindungen, Anforderungen oder Geräusche auf und sortiert diese in

  • "überlebensnotwendig" (z.B. beim Fahrradfahren vor dem Überqueren einer befahrenen Straße anhalten), 
  • "wichtig" (z.B. im Matheunterricht dem Lehrer bei Erklärungen zuhören) und 
  • "unwichtig" (Informationen die automatisch aussortieren werden sollten, da diese keine persönliche Relevanz haben und das Gehirn nur "stören", z.B. das Husten eines Mitschülers).

 

Dopamin = "Glücks-Hormon"

 

Dopamin übermittelt also Signale vom Hirn an die Muskeln und ist verantwortlich für

  • die Regulierung der körperlichen und seelischen Aktivität,
  • zielorientiertes Verhalten,
  • Motivation,
  • Selbstwertgefühl,
  • fein- und grobmotorische Abstimmung und
  • Regulierung des Wissensgedächtnisses.

 

Adrenalin = "Stress-Hormon"

 

Adrenalin ist ein wichtiges Stresshormon. Bei einem Mangel kann es z.B. zu

  • überdrehtem Verhalten,
  • Einschlafschwierigkeiten,
  • häufigen Streitigkeiten und Konflikten,
  • Gedächtnisstörungen,
  • gestörter Impulssteuerung kommen.

 

Serotonin = "Glücks-Hormon"

 

Serotonin reguliert

  • Gefühle und deren Speicherung im Gedächtnis,
  • Selbstwertgefühl,
  • Motivation,
  • Gefühl des Wohlbefindens,
  • Ängste, Emotionen und soziales Verhalten.
  • Serotonin ist für eine positive Gemütslage verantwortlich.

 

Cortisol = "Stress-Hormon"

 

Cortisol gehört zu den wichtigen Stress-Hormonen und wird in der Nebennierenrinde gebildet. Ein zu hoher Cortisol-Wert kann auf chronischen Stress bzw. auf eine erhöhte z.B. emotionale, psychische oder physische Energieanforderung hinweisen. Eine zu hohe Cortisolproduktion kann zu Serotoninmangel führen. 

 

Folgen können sein:

  • Innere Unruhe,
  • Gedächtnis-/Konzentrationsschwäche,
  • mangelhafte Affektkontrolle,
  • Angstzustände.
  • Ein hoher Wert am Abend kann zu Schlafstörungen führen.

 

Die Forschung sagt allgemein, dass eine Störung des Dopamin-Noradrenalin-Systems eher zu einer Aufmerksamkeits- bzw. Wahrnehmungs-/Verhaltensstörung mit Hyperaktivität und eine Störung des Serotonin-Noradrenalin-Stoffwechsels eher zu ruhigem, verträumtem Verhalten führt.

 

Ob und in welcher Form eine Botenstoff-/ Hormonstörung tatsächlich für das AD(H)S-Verhalten ursächlich ist, das kann möglicherweise über einen Hormontest (Speichel-/Urinprobe) herausgefunden werden. Objektive Analyseverfahren wie das Analyseverfahren ELISA, werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Bestimmung von Stereoidhormonen anerkannt.

 

Quellen:

 

 

Gut zu wissen:

Hormontests werden im Internet frei verkäuflich angeboten und können auch in Eigenregie über medizinische Labore beauftragt werden. Es ist aus Sicht von "Familie-mit-ADHS" empfehlenswert, eine Analyse und vor allem eine daraus resultierende, in der Regeln eher kostenintensive, Therapie unter enger Begleitung von einem spezialisierten, erfahrenen Arzt (z.B. mit Schwerpunkt Naturheilverfahren) oder Heilpraktiker durchführen zu lassen.

 

Wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit der Wirksamkeit von Mikronährstoffen wie zum Beispiel von B-Vitaminen, Amino- oder Fettsäuren zur Behandlung von ADHS-Symptomen. Eine Publikation aus 2004 von den Autoren Dr. med. Hans-Günter Kugler und Dr. med. Anna-Maria Groß zu "ADHS und Mikronährstoffe", ist auf der Internetseite www.diagnostisches-centrum.de zu finden.

 

 

Erfahrungsbericht zu einer Analyse und einem darauf ausgerichteten Therapieansatz mit Mikronährstoffen*:

 

Der Cortisolwert eines 10jährigen Jungen mit der Diagnose ADHS ist tagsüber und abends laut einer medizinischen Analyse deutlich zu hoch. Cortisol fördert den Abbau von Serotonin, so dass der Serotoninwert deutlich zu gering ist. Das Noradrenalin hingegen ist überhöht. Die Störung im Hormon- und Neurotransmitterhaushalt scheint sich auf das emotionale Verhalten, Konzentration, Gedächtnis, Impulsivität und Schlafverhalten auszuwirken. Vom Facharzt wurden - gezielt auf Kind und Analyseergebniss ausgerichtet - B-Vitamine, Folsäure und die Aminosäure Tryptophan verschrieben. Diese Aminosäure verhilft laut Ausage von Joerg Bergmann (Heilpraktiker in Ausbildung und Laborleitung) vom medizinischen Labor "swisshealthmed", dem Serotonin die Bluthirnschranke zu überwinden.

 

Wichtig zu wissen: Tryptophan sollte nur nach ärztlicher Indikation gegeben werden und nicht zusammen z.B. mit Antidepressiva oder Neuroleptika. Vom Einsatz zusammen mit Methylphenidat (Ritalin) wurde ärztlich nicht abgeraten. Die Wirkweise von Mikronährstoffen bei AD(H)S scheint allerdings noch nicht ausreichend belegt. Die Behandlung mit Mikronährstoffen wurde außerdem bei zwei Kindern der ADHS-Selbsthilfegruppe Hennef ohne sichtbaren Erfolg durchgeführt*. Da die Präparate sehr kostenintensiv sind und in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen werden, rät "Familie-mit-ADHS" eine entsprechende Behandlung nur unter enger Einbindung und nach Empfehlung eines spezialisierten Arztes bzw. Heilpraktikers vornehmen zu lassen.

*Quelle: Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern Hennef/Sieg.

 

Sonstige Einflussfaktoren

 

Das Ausmaß des AD(H)S-Verhaltens kann durch weitere Faktoren geprägt werden.

 

Folgende Einflüsse können sich verstärkend auf AD(H)S-Verhalten auswirken. Sie können Stoffwechselvorgänge beeinflussen oder aber auch alleiniger Verursacher für "Fehlverhalten" sein:

  • Entwicklungsverzögerungen
  • Wirbelblockaden
  • Körperliche oder
  • geistige Überforderung
  • Stress
  • Leistungs-/Teilleistungsstörungen
  • Sauerstoffmangel
  • Starker Nikotingenuss
  • Hoher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
  • Familiäre Belastungen im Kleinkindalter
  • Wohnverhältnisse
  • Allergien
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • ....

 

Nahrungsmittelunverträglichkeit als Ursache?

 

Es gibt positive Erfahrungen und wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Menschen mit AD(H)S und autistischer Wahrnehmung mit einer Ernährungsumstellung ihre Lebensqualität verbessern können. An dieser Stelle wird auf positive Erfahrungswerte durch Verzicht von Milcheiweiß und/oder Gluten hingewiesen.

 

Buchtipp: Die gluten- und kaseinfreie Ernährung für Menschen mit Autismus, ADS/ADHS oder Allergien; Autorin Susanne Strasser

Internet: www.autismus-diaet.at

 

In diesem Buch ist eine medizinische Begründung von Kalle Reichert, M.D. vom Institut of Pediatric Research der Universität in Oslo enthalten.

 

 

Diagnose und Ursachenforschung - warum überhaupt?

 

Ursachenforschung kann sehr mühsam, aber ebenso hilfreich sein. Die Entwicklungs- und Verhaltensproblematik verstehen zu können, kann Eltern insofern helfen, da sie eine Erklärung erhalten. Wenn klar ist, dass das AD(H)S-Verhalten des Kindes z.B. einen neurologischen Grund hat, müssen sich Eltern nicht permanent in ihrer Elternrolle "schuldig" fühlen und können die Situation leichter akzeptieren. Allerdings scheint es nicht immer einfach, die genaue Ursache zu identifizieren und bestenfalls zu beheben.

 

Eine genaue Diagnose kann dann wichtig sein, wenn eine passende Therapieform gesucht oder sogar über eine medikamentöse Unterstützung nachgedacht wird. Medikamente stellen Stimulanzen dar, die in Regel nur bei einem Mangel an den genannten Botenstoffen eingesetzt werden, mit dem Ziel, das Gehirn zu stabilisieren.

 

Zur verlangsamten Entwicklung der Nervenbahnen im Hirn berichtet die Süddeutsche Zeitung auf SZ.de im Artikel "Sensibles Kindergehirn".

 

Rückmeldungen von Kindergarten, Schule oder Kinderarzt können helfen, um ausgeprägte Verhaltensprobleme und deren Ursachen überhaupt zu erkennen.

 

 

Erziehung mit besonderen Herausforderungen

 

Wichtig zu wissen: Auch wenn die medizinische Ursache nicht durch Erziehung aufgehoben werden kann, hilft Kindern mit gestörter Wahrnehmung sowie ausgeprägter Verhaltensauffälligkeit eine besondere Begleitung durch ihre Eltern und dem nahen Umfeld. Eine strukturierte, klare, liebevolle Erziehung - möglichst ohne Vorwürfe und Schuldzuweisung - kann Schwierigkeiten spürbar verringern.

 

Gut ist sicherlich, wenn betroffende Eltern bestmöglich versuchen,

  • mit der Situation umgehen zu lernen,
  • die Erziehungsmethoden anzupassen,
  • gemeinsam an einem Strang zu ziehen,
  • die Verhaltensproblematiken des Kindes weitgehend zu akzeptieren und
  • sich den Umständen entsprechend ein Stück weit anzupassen.

Wenn der Alltag einigermaßen läuft, bleibt auch Zeit und Energie, die Ursachen zu beheben und es bleibt vor allem Zeit für die schönen Momente im Leben!

 

 

Ursache erkannt - Problem behoben?

 

Zwar sind mit Diagnose und Ursachenforschung die Verhaltensprobleme noch lange nicht verschwunden, aber wenn sich Eltern nicht dauernd schuldig fühlen - da der Grund für das stressige Verhalten des Kindes bekannt ist - dann kann viel mehr positive Energie in Erziehung und Förderung gesteckt werden.

 

Als Unterstützung für Eltern im Alltag können z.B.

 

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Die AD(H)S-Selbsthilfegruppe in Hennef freut sich über neue Eltern.

Kontakt: selbsthilfegruppe(at)

familie-mit-adhs.de