Infoportal für Familien mit AD(H)S oder ähnlichen Verhaltensbesonderheiten
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Tipps zum Alltag mit ADHS

Zum Alltag mit einem AD(H)S-Kind gehören u.a. der Blick auf Stärken,  der Umgang mit Wut und Impulsivität, die Konflikte mit Geschwistern, das Freizeitverhalten oder die Themen rund um den Schulalltag.

Der Alltag mit einem ADHS-Kind stellt immer wieder eine größere Herausforderung für die ganze Familie dar. Das Leben ist unruhig, oft angespannt und öfter auch mal laut. Nicht nur zu Hause, sondern auch im Kontext Schule, bei Freunden bzw. sozialen Kontakten, bei Familientreffen,... gilt es möglichst konstruktiv, entspannt und gelassen mit dem herausfordernden Verhalten umzugehen.

 

Kinder mit ADHS benötigen generell viel Außensteuerung und Begleitung, da ihnen die Selbststeuerung oft schwer fällt.

 

Sicher kann gesagt werden, dass

  • feste Regeln,
  • konsequentes, verlässliches Handeln der Erziehungspersonen,
  • klare, nachvollziehbare Ansagen,
  • positives, ruhiges, eindeutiges Formulieren von Regeln und Aufforderunge,
  • Ich-Botschaften (z.B. "Ich mache mir Sorgen, dass wir zu spät kommen. Zieh dich jetzt bitte fertig an"),
  • Gebrauch von wenig Worten bei Aufforderungen,
  • Verzicht auf Vorwürfe
  • und zugewandtes Handeln

helfen, den Alltag einigermaßen zu meistern. Das klingt nicht weiter spektakulär, es sollte ja eine grundsätzliche Anforderung an jede Erziehung sein. Allerdings ist es nun mal so, dass die Erziehung von einem Kind mit ADS/ADHS-Symptomen oft - trotz bester Bemühungen - eine sehr große Herausforderung darstellt und die Familie immer wieder an ihre Grenzen bringt. Manchmal gerät man in einen "Teufelskreis" und findet nur schwer aus stressigen Verhaltensmustern, negativen Reaktionen und Erschöpfungsmomenten heraus.

 

Darum ist es besonders wichtig,

  • die Situation frühzeitig weitgehend zu akzeptieren und liebevoll damit umzugehen,
  • das Verhalten des Kindes nicht als persönliche Schwäche anzusehen, sondern die Situation anzunehmen wie sie nun mal ist,
  • sehr klare und verlässliche Strukturen schaffen,
  • Kindergarten und Schule früh in die Thematik einzubinden,
  • sich als Familie Unterstützung zu holen,
  • auf eine verlässliche Freizeitgestaltung, trotz des schwierigen Verhaltens, Wert zu legen und
  • immer wieder zu versuchen, Entspannung, Auszeiten und Lachen in das Familienleben zu bringen.

 

Der "Teufelskreis" einer AD(H)S-Familie:

Bei allen Schwierigkeiten die Stärken immer im Blick behalten!

 

Beachten Sie besonders die vielen Stärken Ihres Kindes! Ist Ihr Kind zum Beispiel sehr

  • kreativ,
  • musikalisch,
  • kommunikativ,
  • sozial engagiert,
  • hilfsbereit,
  • tierlieb,
  • verkaufstüchtig,
  • fröhlich oder
  • offen im Umgang mit anderen Menschen?

Auch wenn z.B. Struktur, Konzentrationsvermögen und Ausdauer fehlen, bestimmt stehen dem diverse tolle Eigenschaften gegenüber!

 

Wer es schafft, den Blick mehr auf die tollen Fähigkeiten zu lenken, vermittelt positive und wertschätzende Gefühle. Dadurch wird das Kind in seiner Entwicklung und sozialen Verhalten gestärkt.

 

Das Sonnen-Tagebuch (Quelle: IFLW) kann Sie dabei unterstützen, täglich die Stärken und positiven Seiten Ihres Kindes festzuhalten.

 

Freizeitaktivitäten und Familienrituale ein Stück weit auf die Stärken des Kindes auszurichten, erleichtern den Alltag.

 

Klarheit in der Elternrolle gewinnen

 

Manchmal verschwindet jegliche eigene Klarheit in einem Nebel an Unsicherheit, Erschöpfung, Überforderung, Stress und dem Wunsch, ein möglichst harmonisches Familienleben zu führen.

 

Es lohnt sich in dem Fall eine kurze Auszeit zu nehmen und sich als Eltern selber zu überprüfen: "Was ist mir (bzw. uns) unbedingt wichtig, damit es mir als Elternteil gut geht und alle möglichst gelassen mit dem Kind umgehen können?"

 

Das kann z.B. sein:

  • mind. 8 Stunden Schlaf in der Nacht
  • abends ab 20:15h zur Ruhe zu kommen und Zeit für sich selbst zu haben
  • morgens alleine in Ruhe einen Kaffee trinken und Zeitung lesen
  • regelmäßiger Sport
  • regelmäßiger Kontakt zu erwachsenden Freunden
  • kein Streit am Essenstisch
  • ...

 

Je klarer Eltern ihre eigenen wirklich wichtigen Bedürfnisse ausdrücken können, um so eher kann es gelingen, diese erfüllt zu bekommen.

 

Klare Anforderungen formulieren

 

Innere Klarheit kann Eltern verhelfen, Anforderungen an ein oppositionel handelndes Kind deutlich zu formulieren.

 

Dem Kind hilft es,

  • wenn die Aufforderung nicht als eigentlich sehr gut gemeinte "Bitte" ausgedrückt werden ("würdest du bitte deine warme Jacke anziehen?!") - das eröffnet dem Kind Handlungsspielraum und führt schnell zu Diskussionen,
  • wenn Anforderungen kurz, klar und als "Ich-Botschaft" formuliert werden ("Ich möchte, dass du die warme Jacke anziehst, damit du dich nicht erkältest"),
  • wenn die Aufforderungen wirkungsvoll in einem freundlichen, aber sehr bestimmten Ton erfolgen,
  • wenn das Kind für "richtiges" Verhalten, einhalten von Regeln oder umsetzen von Aufforderungen immer wieder gelobt wird.

 

Wie reagiert man aber bei Wut, Aggression, oppositionellem Verhalten?

Ja sicher, schön wäre es, wenn man mit ein paar Erziehungstipps und guten Ratschlägen, die teils heftigen impulsiven und oppositionellen Verhaltensweisen eines ADHS-Kindes leicht in den Griff bekommen könnte.

 

Bestimmt werden fast alle Eltern (auch die ohne ausgeprägt verhaltensauffällige Kinder) immer mal wieder Wege aus einer Wut-/ Schimpf- und Streitfalle finden müssen.

 

Was könnte man in diesen Situationen sinnvoll tun?

 

1. Verzeihen Sie sich selbst, wenn Sie mal nicht gelassen und mit Humor mit dem anstrengenden Verhalten Ihres Kindes umgehen können. Seien Sie dankbar mit sich, dass Sie tagtäglich versuchen Ihr Bestes zu geben. Denn das tun Sie bestimmt!

 

2. Versuchen Sie in einem guten Moment Vereinbarungen mit Ihrem Kind zu treffen, damit das Kind selber Wege aus kritischen Situationen finden kann. Z.B. CD hören, ein Buch angucken, Trampolin hüpfen, eine kleine (freiwillige) Pause im Zimmer, etwas trinken...

 

3. Sagen Sie klar und deutlich (nicht brüllen oder schreien!) zum Beispiel: "Stopp, ich möchte das du "damit" jetzt aufhörst. Der Streit geht mir zu weit und macht mich traurig"

 

4. Benutzen Sie "Ich-Botschaften" wie z.B. "Mir ist es wichtig, in Ruhe mit dir zu essen! Ich erwarte, dass du jetzt aufhörst zu reden."

 

5. Ohrenstöpsel helfen schon mal, um sich etwas als Eltern (und ggf. auch die Geschwister) gegen Lautstärke und permanentes Reden zu schützen.

 

5. Wenn garnichts mehr geht und Sie merken, dass Ihnen gleich der Kragen platzt, dann verlassen Sie am Besten den "Kriegsschauplatz". Wäscheaufhängen, Abwaschen oder für einen Augenblick im Bad verschwinden, das kann die Gemüter beruhigen. Informieren Sie Ihr Kind, dass Sie eine Pause brauchen, da Sie nicht weiter ärgerlich sein wollen. Dann muss Ihr Kind keine Angst vor der Situation haben.

 

Was sollte man vermeiden?

 

1. Sperren Sie Ihr Kind nicht gegen seinen Willen in ein Zimmer ein, da die Panik dann oft noch größer wird und es kann passieren das Möbel oder Spielzeug vor Wut zerstört werden. Eine verordnete Auszeit kann auch bei offener Tür hilfreich sein, denn eigentlich benötigt Ihr Kind gerade jetzt Ihre Nähe, auch wenn es möglicherweise gleichzeitig mit allen Kräften dagegen ankämpft.

 

2. Vermeiden Sie "Du-Botschaften" (z.B. "Immer bist du laut" oder "Du kannst ja nie stillsitzen, immer störst du uns beim Essen"). "Ich-Botschaften" sind weniger abwertend und beruhigen besser die emotionalen Verletzungen im Kind.

 

2. Benutzen Sie kurze, klare Aufforderungen, wenn Sie wirklich etwas von Ihrem Kind erwarten. Die Formulierung "Würdest du bitte deine Jacke auffhängen" klingt zwar viel freundlicher und kooperativer als "Ich möchte, dass du jetzt deine Jacke aufhängst" - aber bei der "Bitte-Formulierung" hat das Kind das Recht eingeräumt bekommen, auch Nein zu sagen. Warten Sie ruhig einen Moment ab, falls Ihr Kind nicht sofort auf die Aufforderung reagiert. Falls nichts passiert und die Jacke weiter auf dem Boden liegt, kann es sich als effektiv erweisen, im Gegenzug auf eine darauf folgende Bitte des Kindes nicht einzugehen - bis die Jacke dann endlich am richtigen Platz hängt.

 

3. Vermeiden Sie, in die "Brüllfalle" zu tappen und bemühen Sie sich um eine ruhige, aber deutliche Stimmlage. Klare, kurze Aufforderungen sind wesentlich hilfreicher als lange Diskussionen und Vorwürfe.

 

Der Film "Wege aus der Brüllfalle" zeigt sehr gut warum das Vermeiden von gebrüllten Anweisungen so wichtig ist. Aber: wenn es doch mal passiert, dann verzeihen Sie sich Ihren Ärger und Ihre Reaktion. Mit der Zeit, werden Sie merken, dass Sie immer öfter im ruhigen Ton erfolgreich sein werden.

 

4. Vermeiden Sie es, ohne Pause auf das Kind einzureden. Manchmal reicht es, eine Aufforderung einmal zu sagen und dann dem Kind Zeit zu geben, das Gesagte zu verarbeiten (das können schon mal ein paar Minuten sein).

 

 

Zitat Nadja Uhl, Schauspielerin:

"Als Kind habe ich mich immer gefühlt, als würde mit mir etwas nicht stimmen, wenn ich in meine Traumwelt eintauchte. Es ist wichtig, als Kind nicht ständig zu hören, dass du verkehrt bist. Die Kinder sind toll so, wie sie sind."

 

Quelle: Rhein-Sieg Anzeiger vom 21. Januar 2017

 

 

 

Im Kurzfilm "Falling Letters" skizziert der Filmemacher Erik Rosenlund einen Tag im Leben eines Schülers mit AD(H)S.

 

Dieser Film zeigt eher ein ruhiges, introvertiertes Kind, trotzdem ist das ungeplante Chaos im Kopf, der Drang nach Bewegung, die leichte Ablenkbarkeit und die daraus resultierende Wirkung auf AD(H)S-Kinder zu erkennen. Deutlich wird, dass Wahrnehmung-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen nicht immer von außen zu erkennen sind, dass Kinder mit dieser Symptomatik oft nicht verstanden werden und wie dringend sie Unterstützung durch Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen benötigen.

 

 

 

 

 

 

Die AD(H)S-Selbsthilfegruppe in Hennef freut sich über neue Eltern.

Kontakt: selbsthilfegruppe(at)

familie-mit-adhs.de