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Systemsprenger oder SystemGEsprengte?

Systemsprenger

 

Der Film "Systemsprenger" ist ein deutscher Spielfilm von Nora Fingscheidt aus 2019. Das 9-jährige Mädchen Benni steht im Mittelpunkt. Sie durchläuft einen Leidensweg zwischen einer überforderten, alleinerziehenden Mutter, wechselnden Pflegefamilien, Kinderheimen, verschiedenen Bezugspersonen, Jugendamtbetreuung, Förderschule, Schulbegleitung und Anti-Aggressions-Trainings.

 

Filmlink auf: YouTube - Systemsprenger Offizieller Trailer 2019

Kommentar von Familie-mit-ADHS

 

Es kann viele verschiedene Gründe geben, warum ein Kind - wie z.B. Benni im Film Systemsprenger - so massiv an seinem System rüttelt und laut danach ruft, gehört zu werden. Hier in dem Film ist eine Mutter einfach überfordert mit der gesamten Lebenssituation.

 

Das kann passieren. Manchmal schnell, manchmal sehr schleichend, doch immer ohne Absicht.

 

In jede Familie kann schwere Krankheit, Arbeitslosigkeit, Geldsorgen, familiärer Stress oder sonstige Einflüsse das System ins Wanken bringen. Jeder Mensch, ob jung oder alt, egal mit welcher Schulbildung, kann unerwartet in eine Krisensituation geraten, die das bestehende System aus den Fugen geraten lässt.

 

Wenn nun Stabilität in der Familie wegbricht, wer ist wirklich da, um zu helfen? Wer verzichtet auf Vorwürfe, Urteile und Abwertungen und steht stattdessen der Familie verlässlich zur Seite? Erst einmal nicht so viele. Es gibt leider in der heutigen Gesellschaft nur noch selten ein enges Familiengefüge aus Eltern, Großeltern und anderen Verwandten, die nah zusammenleben und sich gegenseitig stützen können. Viele Menschen, viele Familien sind weitgehend auf sich alleine gestellt.

 

Gut gemeinte Ratschläge, pauschale Erziehungstipps bis hin zu Ablehnung aus dem sozialen Umfeld sind eher die Realität.

 

Schule hat in der Regel wenig Zeit, kaum Ressourcen und keine Konzepte, um besonders geforderte Kinder aus Notsituationen begleiten zu können.

 

Das Jugendamt…? Das interessiert sich – aus Kostengründen - oft erst so richtig, wenn „das Kind“ schon in den Brunnen gefallen ist. Nur wenn eine Familie viel Kraft, einen langen Atem, ggf. einen guten Anwalt hat, dann kann schon mal frühzeitiger Unterstützung wie z.B. Familien- oder Schulbegleitung vom Jugendamt zu erwarten sein.

 

Der Film „Systemsprenger“ zeigt deutlich wie wichtig eine verlässliche, liebevolle Beziehung für ein Kind, eigentlich für jeden Menschen, ist.

 

Besonders wenn ein Kind

  • eher sensibel,
  • empfindsam für zwischenmenschliche Töne,
  • intensiv in seinen Emotionen,
  • dazu mit einem geringen Selbstwertgefühl ist,

dann wird jede Störung im System zu einer Mega-Herausforderung.

 

Familien mit ADHS wissen das.

 

Es bringt niemandem etwas, wenn einer Familie in schwieriger Situationen nur aufgezeigt wird, was sie falsch macht, wenn sie (hintenherum) verurteilt wird und andere alles besser zu wissen scheinen.

Was wirklich hilft ist,

  • wenn die Eltern und auch die Kinder lernen, mit der jeweiligen Situation leben zu können, zu akzeptieren.
  • Wenn Lebenssituationen und Verhaltensweisen angenommen, statt abgelehnt werden können.
  • Wenn sie ohne langen Kraftakt gezielte finanzielle und/oder therapeutische Unterstützung bekommen können.
  • Wenn sie lernen können, mit Wut oder anderen starken Emotionen umzugehen, die Bedürfnisse hinter einem anstrengenden Verhalten zu erkennen und zu verstehen.
  • Es ist außerdem ganz wichtig, dass Eltern von sehr herausfordernden Kindern zwischendurch Verantwortung abgeben können, ohne Angst vor einem Anruf, vor Kritik oder Ablehnung haben zu müssen. Stabile Beziehungen von verschiedenen Seiten hilft Kind und Familie.

 

Eine Frage kann zudem gestellt werden: Ist ein Kind wie Benni eine Systemsprengerin oder eher eine SystemGEsprengte?

 

Wenn sich das gesamte System (Familie, Jugendamt, ärztliche u./o. psychologische Therapeuten) von Beginn der Problematik an, sinnvoll und kooperativ für das Kind - natürlich in der Familie mit entsprechender Unterstützung durch das Jugendamt und ärztlich/psychologischen Therapeuten - eingesetzt hätte, hätte es nie soweit kommen müssen.

 

Kein Kind schlägt freiwillig oder willentlich einen solchen Lebensweg ein und auch Eltern tun das nicht.

 

Sowohl Kindergarten, Schule, Jugendamt, Ärzte, Therapeuten, aber auch das soziale Umfeld wie Familie, Freunde und Bekannte, können eine Menge bewegen, wenn ein „Systemsprenger“ als Mensch mit wichtigen, relevanten Bedürfnissen gesehen wird und nicht nur das falsche Verhalten. Wenn die Familie gestützt, gestärkt und gehalten wird. Ohne Abwertung und Urteilen. Jeder Mensch gibt sein Bestes, im Rahmen seiner gerade bestehenden Möglichkeiten. Durch Akzeptanz, Anerkennung, Zuneigung und positivem Selbstwertgefühl kann ein Mensch sich weiter entwickeln und lernen, mit einer herausfordernden Lebenssituation positiv umzugehen.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Imke Schleking

ADHS-Selbsthilfegruppe für Eltern in Hennef

 

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Ein Kommentar von familie-mit-adhs.

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