Infoportal für Familien mit AD(H)S oder ähnlichen Verhaltensbesonderheiten
       Infoportal für Familien mit AD(H)S oder ähnlichen Verhaltensbesonderheiten   

Leben ohne Streit trotz ADHS

In einer Familie mit einem herausfordernden Kind geht es oft sehr turbulent zu. Kinder mit AD(H)S bringen einfach oft MEHR besondere Verhaltensweisen mit als viele andere Kinder.

 

Es kann von so vielem "MEHR" sein:

  • Mehr an eigenen Ideen und intensiven Bedürfnissen
  • Mehr Wut
  • Mehr Impulsivtät
  • Mehr intensive Gefühle
  • Mehr Lautstärke
  • Mehr Unruhe
  • Mehr Freude
  • Mehr Reden
  • Mehr Bedürfnisse
  • Mehr Unsicherheit
  • Mehr besondere Fähigkeiten

Das MEHR an den zum Teil sehr herausfordernden, intensiven Verhaltensweisen kann auf Dauer ganz schön anstrengend werden und an den Nerven zehren.

 

Es kann passieren, dass der Umgangston in der Familie von Streit, Vorwürfen, Resignation, Manipulation, Verurteilungen oder Bestechungen geprägt ist.

Ein verletzender Umgangston schleicht sich meist ganz langsam, ungewollt und unbewußt ein. Streit, negative Emotionen und Stress nehmen zu.

 

Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen lohnt.

 

Teufelskreis in der Familie mit AD(H)S

 

Raus aus dem Teufelskreis - hin zur wertschätzenden Kommunikation

 

Gute Nachricht an alle AD(H)S-Eltern: Der "AD(H)S-Teufelskreis" kann durch eine Veränderung der inneren Einstellung, positive Kommunikationsstrategien und regelmäßiger Übung durchbrochen werden!

 

Zu der positiven Kommunikation gilt ganz klar, auf die Stärken des Kindes zu achten, diese hervorzuheben, festzhalten und das Kind viel zu loben. Klar, auf die Stärken zu gucken ist ganz, ganz wichtig, um eine positive Beziehung leben zu können.

 

Aber alleine nur auf die Verhaltensweisen des Kindes zu gucken, nur diese ändern zu wollen, das reicht einfach nicht immer.

 

Die große Frage ist doch, warum verhält sich mein Kind so herausfordernd? Was steckt hinter diesem Verhalten?

  • Kann es vielleicht sein, dass dieses - oft hochsensible - Kind einfach große Bedürfnisse hat, die mittlerweile kaum mehr richtig erkannt werden?
  • Kann es sein, dass es durch ein "MEHR an Verhaltensweisen" auf sich aufmerksam machen möchte?
  • Dass es nach Anerkennung, Liebe und Aufmerksamkeit schreit?
  • Kann es sein, dass auch wir Eltern ständig in einem Strudel von eigenen unerfüllten Bedürfnissen den Alltag meistern müssen?
  • Kann es sein, dass unsere AD(H)S-Kinder - und auch Eltern - oft starke Gefühle empfinden und es eine Chance darstellen kann, diese Gefühle verstehen und akzeptieren zu lernen?

Es ist wichtig, sich den eigenen Bedürfnissen bewußt zu sein (z.B. Ruhe, Schlaf, Nahrung, Frieden,...), aber auch wahrzunehmen, dass das Kind in schwierigen Situationen ebenfalls ein berechtigtes Bedürfnis hat (z.B. Anerkennung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Nahrung, Unterhaltung,...).

 

In Stresssituationen wird vom Kind oft eine Strategie zur Bedürfniserfüllung gewählt, die sogar zu noch mehr Stress führen kann. Auch, wenn diese Strategie nicht logisch oder zielführend erscheint - wie z.B. Wut, Zerstörung, Verletzung, Beleidigungen - ist dies genau in dem Moment für das Kind das einzig denkbare Handlungsmuster.

 

WICHTIG: Das Kind kann gerade nicht anders. Die Reaktion / das Verhalten hat NICHTS MIT DEM GEGENÜBER ZU TUN, sondern mit der Not, keine andere Handlungsoption abgreifen zu können.

 

Wer sich einen wertschätzenden Umgangston im Alltag, mehr Frieden, Liebe und eine gute Atmosphäre wünscht, der kann dies mit der Bereitschaft an sich arbeiten zu wollen, tatsächlich erreichen: Mit Gelassenheit, Achtsamkeit und bewußtem Betrachten von Konfliktsituationen kann die Kommunikation in der Familie auf neue Beine gestellt werden

 

Auf Basis von Erkenntnissen aus der "Gewaltfreien Kommunikation (GFK)" und Erfahrungen der AD(H)S-Selbsthilfe ist folgender Prozess einer positiven Kommunikation entstanden (siehe auch PDF-Anhang):

 

In vier Schritten zum Ziel der positiven Kommunikation

Positive Kommunikation in Familie mit ADHS
Ein achtsamer Weg in vier Schritten zu mehr Anerkennung, Wertschätzung, Freude und Selbstbestimmtheit in der Familie. Darstellung: Imke Schleking, AD(H)S-Selbsthilfegruppe Hennef, Quelle: GFK-Woche "Gewaltfreie Kommunikation" vom 20. bis 24. Mai 2019 von GFK-Coach Heike Spatz.
Wertschätzende Kommunikation_fmadhs.pdf
PDF-Dokument [208.5 KB]

Ob wertschätzende, aber verständliche Bitte oder klar formulierte Aufforderung - beide Strategien können in der Kommunikation mit einem AD(H)S-Kind zum Ziel führen. Wichtig bei jeder gewählten Strategie ist:

  • Klarheit, wertschätzende Konsequenz, Verlässlichkeit in Kommunikation und Handlung!
  • Das Kind benötigt oft etwas Zeit bis es die Aufforderung versteht und umsetzen kann.
  • Das Kind hat eigene Bedürfnisse: Diese sollten möglichst ernst genommen, zumindest wahrgenommen und abgewogen werden.
  • Positiv auf sich und das Kind zu gucken, auch wenn negative Emotionen und unerfüllte Bedürfnisse gerade mal dominieren.
  • Eltern handeln aus Fürsorge und wollen das Beste für ihr Kind.

 

Mit einer kurzen, klar formulierten, verständlichen  Aufforderung, besteht eine große Chance, dass das Kind reagiert.

Beispiele Klare Aufforderung Anweisung
Kind soll Jacke aufhängen. "Bitte häng deine Jacke jetzt sofort auf. Ich fühle mich nicht wohl, wenn alles auf dem Boden liegt." "Häng deine Jacke auf."
Kind soll ins Bett gehen "Es ist jetzt die Zubettgehzeit erreicht. Bitte geh jetzt ins Bett und bleib liegen. Morgen müssen wir alle früh aufstehen und ich brauche auch noch etwas Ruhe." "Geh ins Bett."
Kind soll zuhören "Mir ist es wichtig, dass du mir jetzt zu hörst. Schau mich bitte an, damit ich weiß, ob du mir zuhörst." "Hör mir jetzt zu"

In diesem Prozess hilft Achtsamkeit:

Es lohnt sich in Konfliktsituation mit dem Kind inne zu halten, tief einzuatmen und mit sich selber in den Dialog zu treten. Das führt zu einer gesunden Distanz zum Konflikt, nimmt den ersten Stress raus.

 

Beispiel für einen inneren Dialog - Empathie für sich selbst:

"Ich merke, dass ich ärgerlich werde. Das tut mir leid, ich verzeihe mir den Ärger, denn dieser hat einen Grund. Ich habe das Bedürfniss nach Ruhe und Gemeinschaft, statt dessen streiten sich meine Kinder laut. Ich bin stolz auf mich und auf die Erkenntnis, dass mein Ärger einen guten Grund hat. Danke, dass ich das erkennen darf und meinen Ärger nicht bei den Kindern lassen muss."

 

Ist ein Konflikt besser verlaufen als sonst und nicht eskaliert, dann ist das ein echter Grund stolz auf sich zu sein! Und stolz auf das Kind! Je öfter diese INNERE HALTUNG zum Einsatz kommt, um so enstpannter wird der Alltag in der Familie.

 

Bitte bedenken Sie:

Falls das Kind dennoch nicht wie gewünscht reagiert, dann handelt es nach dem Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation" mit seiner ihm bestmöglichst zur Verfügung stehenden Strategie, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn es mit Absicht nicht reagiert, um sein Gegenüber zu testen, dann geschieht dies sicherlich in vielen Fällen auch aufgrund eines Bedürfnisses: Nach Anerkennung und Liebe. Ein neuer Blickwinkel und Erziehungsstil lohnt sich: Sobald nicht mehr mit Vorwürfen und Strafe reagiert wird, dann werden provozierende Verhaltensmuster nicht mehr notwendig sein.

 

... und wenn es mal nicht klappt? Wenn doch die Nerven durchgehen und es zu Streit und Vorwürfen kommt?

 

Das wird bestimmt immer wieder mal passieren, denn der Weg der positiven, wertschätzenden Kommunikation ist zu Beginn neu und unbekannt. Hürden und Rückschläge gehören dazu, die man sich unbedingt verzeihen sollte. Mit jeder Konfliktsituation festigt sich die positive Kommunikationsstrategie und der Alltag wird stressfreier ablaufen.

Coachingangebote und Elterntrainings

 

Elternberatung wird z.B. vom Psychologen oder Förderzentren angeboten.

 

Darüberhinaus empfiehlt "Familie-mit-ADHS" folgende ganz besondere Eltern-Coachingangebote, um neue Impulse, Strategien und Blickwinkel erhalten zu können. Diese Coachings sind grundsätzlich kostenpflichtig. Kostenlose Einführungs- und Orientierungsangebote enthalten:

 

 

Selbsthilfe-Angebot für ein Online-Eltern-Coaching à 90 Minuten zur "Wertschätzenden Kommunikation" für Familien mit ADHS:

  • 1 x Einzelcoaching = 80 EURO (Normalpreis: 90 EURO)
  • 3er Coaching-Paket = 230 EURO (Normalpreis: 255 EURO)
  • 6er Coaching-Paket = 450 EURO (Normalpreis: 490 EURO)

Anbieter: GFK-Trainerin Heike SpatzKooperationspartner . Weitere Informationen und Anmeldung über https://eltern-im-wandel.de/.

 

Stichwort für die Ermäßigung: Selbsthilfe Familie-mit-ADHS

Das könnte dich auch interessieren:

 

Wut, Trotz und Opposition. Einen entspannten Umgang mit massiver Wut, Beleidung, Verletzungen und Opposition zu finden, das ist selten einfach. Eltern von Kindern - z.B. mit AD(H)S - stehen dabei oft vor großen Herausforderungen, die mit einer postiven Grundhaltung und Strategie bewältigt werden können.. Lesen Sie hier mehr.

 

Entspannen mit ADHS. Ein Leben mit einem ADHS-Kind ist meistens ein Leben mit viel Unruhe, Reden, Sorgen, Arzttermine, Kritik, Stress, Disziplin, Kraft, Fürsorge, Schlafmangel. Entspannungsmomente sind wichtig und helfen, den Alltag zu bewältigen. Lesen Sie hier mehr.

Selbsthilfe-Angebot für ein Online-Eltern-Coaching zur "Wertschätzenden Kommunikation" für Familien mit ADHS:

Anbieter: GFK-Trainerin Heike SpatzKooperationspartner . Weitere Informationen.