Infoportal für Familien mit AD(H)S oder ähnlichen Verhaltensbesonderheiten
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Förderung mit Spaß

Lernschwierigkeiten und Entwicklungsverzögerungen führen schnell zu Frustration, Versagensängste und sogar Schulverweigerung. Mit rein rationalen Worten ist ein Kind mit AD(H)S-Symptomen, nicht wirklich zu erreichen. Der Wille ist bestimmt bei den aller meisten Kindern/Jugendlichen vorhanden, den schulischen und sozialen Anforderungen gerecht zu werden. Durch die Verhaltensschwierigkeiten ist der Weg aber so viel schwerer als für ein Kind, das den schulischen Anforderungen erfolgreicher entsprechen kann.

 

Um einem Kind mit AD(H)S zu helfen, damit es lernt sich und das nahe Umfeld besser wahrzunehmen, Anforderungen von außen zu akzeptierten und darüberhinaus Spaß am Lernen zu entwickeln, gibt es besonders für das Grundschulalter diverse interessante Fördermaßnahmen.

 

Was tun bei Stress um Hausaufgaben?

 

Der tägliche Kampf um Hausaufgaben und Lernmotivation kann das Familienleben ordentlich herausfordern. Streit und Stress sind an dieser Stelle schnell vorprogrammiert. Inklusive Schulformen, die auf Kinder mit sozial, emotionalen Verhaltensschwierigkeiten pädagogisch ausgerichtet sind, bieten oft Ganztagsbetreuung mit spezialisierter Hausaufgabenbetreuung an.

  • Es lohnt sich mit der Schule zu sprechen, ob eine Ganztagesbetreuung für das eigene Kind eine sinnvolle Option wäre.
  • Auch eine regelmäßige Nachhilfe kann, besonders bei jugendlichen AD(H)Slern, eine spürbare Entlastung bringen.
  • Der schulische Druck ist für ein Kind/Jugendlichen mit AD(H)S sowieso schon groß. Ein erstrebenswertes Ziel sollte sein, den schulischen Stress nicht auch noch ständig in den Familienalltag zu transportieren.

 

Förderung zu Hause

 

Wer sein Kind zu Hause selbst bei den schulischen Aufgaben unterstützen und etwas Spaß in den Lernalltag bringen möchte, kann praktische Tipps von z.B. Ergotherapeuten oder speziellen Ratgebern erhalten.

 

Als hilfreich hat sich "Der aktuelle Ratgeber für Eltern mit Grundschulkindern" erwiesen. Eine monatliche Ausgabe von "Lernen und Fördern mit Spaß" (Herausgeber:  Diplom-Pädagogin und Lern Therapeutin Uta Reimann-Höhn) liefert umfangreiche Tipps rund um wichtige Themen aus der Grundschulzeit - sowohl für Eltern als auch fürs Kind. Dabei werden immer wieder hilfreiche Aspekte rund um Schule bei ADHS geliefert. Der kompakte Elternbrief wird von der Website lernen-und- foerdern.com um Online-Angebote ergänzt.

 

Ein kostenloses Trainingsprogramm für Kinder mit Rechenschwierigkeiten wird von Dr. Andreas Schulz auf seinem "Schulpsycho-Blog - Blog zu schulpsychologischen und pädagogischen Themen" angeboten: Vollständiges Trainingsprogramm für Kinder mit Rechenschwierigkeiten.

Entspannungstipps vor den Hausaufgaben

 

Hausaufgaben können die meisten Kinder besser möglichst früh am Nachmittag machen. Danach kann sich dann befreit verabredet oder die Freizeitaktivität begonnen werden.

 

Manchen Kindern hilft es, vor den Hausaufgaben alleine im Zimmer zu spielen oder eine CD zu hören. Eine zielgerichtete CD zur Begleitung der Hausaufgaben ist z.B. die Entdeckungsreise zu besseren Schulleistungen von Arndt Stein "Der geheimnisvoll Planet".

 

 

Steigerung der Motivation

 

Lernschwäche - Wie lustlose Schüler motiviert werden können

(Quelle: Focus Online Familie, Autorin: Christine Falk-Frühbrodt, Leiterin des Instituts für integrative Lerntherapie und Weiterbildung, Berlin)

 

 

Therapiewesten zur Stärkung der Konzentrationsfähikeit

 

Der Ansatz von Therapiewesten zielt darauf ab, den neurologischen Prozess der sogenannten "Sensorischen Integration" zu unterstützen, so dass diagnostizierte Wahrnehmungsstörungen im Gehirn durch gleichmäßigen Druck, z.B. mit Hilfsmitteln wie einer Sandtherapieweste, möglicherweise gelindert werden können. Weitere Informationen finden Sie hier.

Tipps für ein Eltern- / Lehrergespräche

 

Vielleicht haben Sie den Eindruck,

  • dass es Ihrem Kind in der Schule nicht gut geht, Schule und Hausaufgaben immer wieder zu Konflikten führen,
  • Sie wünschen sich Unterstützung und eine engere Zusammenarbeit mit der Schule?
  • Sie sind vielleicht verunsichert wegen Diagnose ADS/ADHS
  • und möchten sich selbst sowie die Schule im Umgang mit Ihrem Kind stärken?

 

Ganz unabhängig, ob Sie als Eltern das Gespräch mit der Schule suchen oder ein(e) LehrerIn Sie zum Gespräch einlädt, es ist empfehlenswert sich vorzubereiten.

 

Die folgenden Aspekte können bei der Vorbereitung hilfreich sein:

 

1. Klare Zielvorstellung.

Es ist hilfreich, mit einer klaren Zielvorstellung in das Gespräch zu gehen. Je klarer Sie für sich sind, um so besser können Sie ein möglicherweise kritisches Gespräch konstruktiv und lösungsorientiert führen. Zum Beispiel kann für Sie ein wichtiges Ziel sein, um eine spezielle Lernförderung oder eine gemeinsame Strategie im Umgang mit impulsiven Verhaltensweisen zu bitten. Vielleicht hat die Schule eigene Ideen und kann für Ihr Kind Fördermaßnahmen vorschlagen.

 

Wenn die Schule noch nicht wirklich in die ADHS-Thematik und den Umgang speziell mit den Besonderheiten Ihres Kindes eingebunden ist, dann kann auch eine Wissenvermittlung über die Auswirkungen von ADHS auf das Verhalten Ihres Kindes für beide Gesprächsparteien wertvoll sein. Wichtig ist immer zu transportieren, dass Kinder mit ADS/ADHS ihr Fehlverhalten erst einmal nicht mit Absicht an den Tag legen. Sie reagieren oft aus Unsicherheit und Überforderung anders als von ihnen gefordert.

 

Vorwürfe und Fehlersuche sind in solchen oft emotional behafteten Momenten zwar naheliegend, sollten aber im Gespräch mit dem Lehrer möglichst vermieden werden. Besser kann es sein, die gemeinsamen Blickwinkel, Stärken des Kindes und positive Erfahrungen (auch aus dem Familienalltag) herauszuarbeiten.

 

Dies auch, wenn die Schule um ein Gespräch bittet und Sie erst einmal mit unerwartet negativen Rückmeldungen über Ihr Kind konfrontieren sollte.

 

2. Positiver Kontakt mit der Schule.

Es hilft beiden Seiten, wenn Zeit und Raum für beide Blickwinkel ist. Falls es Ihnen möglich ist, dann signalisieren Sie Verständnis für die Lehrersituation, seien Sie aber trotzdem klar in Ihrer eigenen Position - Sie möchten schließlich für Ihre Familie und Ihr Kind die Schulsituation verbessern. Falls die Fronten mit einem/r LehrerIn sehr Konfliktbeladen sein sollte, dann bitten Sie z.B. die Schulleitung oder einen Vertrauenslehrer hinzu.

 

3. Kooperation von Eltern und Lehrer

Es hat sich schon oft für beide Seiten als hilfreich erwiesen, wenn die Schule frühzeitig über Ihre Sorgen, das Stresspotential (z.B. bei schulischen oder sozialen Angelegenheiten), Ihre bisherigen Bemühungen dem ADS/ADHS-Kind zu helfen oder über Fördermaßnahmen informiert wird.

 

Mit Transparenz und Ehrlichkeit können Sie Empathie schaffen und die Schule kann erkennen, dass Sie nicht alle Verantwortung dort abladen wollen. Grundsätzlich kann auf pädagogische Kompetenz und Motivation des Lehrers gesetzt und bei der Lösungssuche sogar eingefordert werden. Die Schule um fachlichen Rat und Unterstützung zu bitten, kann Sie als Eltern entlasten und auf neue Ideen bringen. Wertschätzender Umgang von beiden Seiten ist die beste Grundlager für ein zufriedenstellendes Gespräch.

 

4. Konstruktive Erwartungshaltung an die Schule

Sie können von der Schule erwarten, dass diese auf häufige Vorwürfe und Strafen verzichten. Besser sollten gezielte Fördermethoden und natürliche, faire Konsequenzen gefunden werden. Es hilft bei allen Überlegungen, immer wieder einen positiven Blick auf die Stärken Ihres Kindes und erfolgreiche Erziehunsmethoden einzubringen.

 

Eventuell bringt Ihr Kind neben Fehlverhalten und/oder Konzentrationsstörungen eine Lernschwäche mit. Falls das der Fall sein sollte, dann können diese Erkenntnisse in den Benotungen und Erwartungshaltungen der Fachlehrer berücksichtigt werden. Dies ist eine bekannte Vorgehensweise in der pädagogischen Praxis.

 

Auch bei Lernschwäche kann es hilfreich sein, im Anliegen sehr klar zu sein und persönliche Vorwürfe zu vermeiden. Lehrer sind in der Regel bemüht, eine Lösung zu finden. Beratung zum Umgang mit Lese-/Rechtschreib- und Rechenschwächen erhalten Sie z.B. über den Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie e.V.

 

5. Blickwinkel der Schule.

Eltern-/Lehrer-Gespräche können emotional und belastend sein. Eltern möchten ihr AD(H)S-Kind  in der Regel schützen und fühlen sich im Umgang mit schulischen Anforderungen öfter regelrecht überfordert.

 

Trotzdem ist es wichtig, die Lehrer über ihre Erfahrungen und Probleme reden zu lassen. Denkbare Fragestellungen von Elternseite können sein:

  • "Was wünscht sich die Schule?"
  • "Welche Vorstellungen von Kooperation und Förderung von Seiten des Elternhauses hat die Schule?"
  • "Was können wir von Seiten der Familie machen?"
  • "Auf welche Stärken und Kompetenzen des Kindes kann die Schule aufbauen?"

Am Ende wollen bestimmt beide Seiten - Eltern und Lehrer - jedes Kind möglichst glücklich und erfolgreich durch die Schulzeit begleiten.

 

6. Kompetenzen und Stärken des Kindes.

Ein Kind möchte grundsätzlich dazugehören und in der Schule gut sein. Fehlverhalten resultiert in der Regel aus Unsicherheit, Angst und Überforderung. Auch wenn die Kinder Konsequenzen aushalten und Regeln lernen müssen, ständige Strafen und Ausgrenzung führen nur zu noch mehr Frustration und Fehlverhalten.

 

Jedes Kind hat besondere Fähigkeiten und Stärken. Wenn Lehrer dese positiven Aspekte selber in dem Moment nicht ausreichend erkennen können, dann kann es hilfreich sein, Stärken des Kindes aus Elternsicht zu nennen.

  • Welche positiven Verstärker wenden Sie als Eltern bereits in Ihrem Alltag erfolgreich an?
  • Auch die Lehrer können von Ihnen als Eltern nach Einschätzung von den Stärken des Kindes befragt werden.

Es gibt pädagogische Methoden, die Stärken besonders hervorzuheben und zu fördern. Es kann ein gutes Ziel sein, sich darauf mit der Schule zu verständigen.

 

7. Vereinbarungen treffen.

Sie wissen alle um die Schwierigkeiten mit ihrem Kind. Alleine das Wissen darüber reicht aber nicht aus.

 

Um die Schulzeit für alle zu erleichtern, müssen Hilfestellungen gefunden werden - in der Schule genau wie für zu Haus. Vereinbarungen über weitere Gespräche, Rückmeldungen zu Fehlverhalten und zu Fördermaßnahmen können dabei Sicherheit schaffen.

 

Regelmäßige Rückmeldemethoden, z.B. über einen Rückmeldebogen in der Hauspost, können Basis für eine erfolgreiche Lehrer-Eltern-Kommunikation sein. Dabei sollte im Vorfeld sicher gestellt werden, dass die Familie nicht mit jedem Fehlerverhalten direkt konfrontiert werden sollte, sondern die Schule einen Teil der Verantwortung - klar je nach Situation - auch bei sich behalten kann.

 

Als erprobte Methode können z.B. die positiven Verhalten und Schulstunden mit einem Smiley-Gesicht belohnt werden. Wurden Anforderungen nur zum Teil oder überhaupt nicht erfüllt, dann kann dies ebenfalls über ein entsprechendes Gesicht-Symbol rückgemeldet werden. Nur ganz kritische Themen sollten im Detail zurückgemeldet werden, dies aber immer mit einer Erläuterung mit welchen Lösungsansätzen/Konsequenzen die Schule damit umgegangen ist und ob zusätzlich noch etwas von den Eltern erwartet wird.

 

 

Gute fachliche Argumente für das Lehrergespräch bei ADHS-Konflikten liefert ein Beitrag der Hebo-Schule Bonn von Prof. Dr. h.c. Biegert. Hier mehr dazu lesen.

 

Viel Erfolg!

 

 

 

 

 

 

 

Die AD(H)S-Selbsthilfegruppe in Hennef freut sich über neue Eltern.

Kontakt: selbsthilfegruppe(at)

familie-mit-adhs.de