Infoportal für Familien mit AD(H)S oder ähnlichen Verhaltensbesonderheiten
       Infoportal für Familien mit AD(H)S oder ähnlichen Verhaltensbesonderheiten   

Medikamente bei ADHS

AD(H)S-Verhalten kann in den unterschiedlichsten Ausprägungen und bei jedem Kind ganz anders auftreten.

 

Ob und welche Therapie hilfreich für das betroffene Kind und seine Familie sein kann, dass lässt sich nicht pauschal sagen. Da AD(H)S nicht einfach wie ein Schnupfen zu behandeln ist, sondern die auftretenden Verhaltensstörungen in der Regel aufgrund diverser, vielschichtiger Ursachen entstehen, hängt eine Therapieentscheidung im Grunde erst einmal von folgenden Faktoren ab:

  • Leidensdruck des Kindes (und der Familie),
  • dem Selbstwertgefühl,
  • der Sozialkompetenz,
  • der schulischen Leistungsfähigkeit
  • oder auch der Steuerungsfähigkeit des Kindes

 

Alle bisherigen Maßnahmen bringen keine wirkliche Entlastung in den familiären Alltag - was nun?

 

Trotz bestem Willen, den Alltag mit therapeutischer Unterstützung, Erziehungsberatung und/oder Anpassung der Lebensgewohnheiten in den Griff zu bekommen kann es sein, dass früher oder später die Probleme und Sorgen überhandnehmen und sich die Frage nach einer medikamentösen Behandlung gestellt wird. 

 

Wenn die Not in der Familie - und vor allem bei dem betroffenen Kind mit den ADHS/ADS-Verhaltensweisen - also so groß geworden ist, dass alle bisherigen Maßnahmen nicht mehr ausreichen, dann kann es ein richtiger Schritt sein, sich mit dem Thema "Medikamente" auseinanderzusetzen. Eine medikamentöse Therapie ist, wenn überhaupt, nur bei Kindern mit einer diagnostizierten hyperkinetischen Störung angeraten. Dieser Weg sollte nur mit enger Begleitung von einem ausgebildeten Kinder- und Jugend Psychiater oder fachkompeteten Arzt gegangen werden.

 

Sich für die Gabe von Psychopharmaka zu entscheiden - damit die Stoffwechselvorgänge im Gehirn positiv beeinflusst werden - das ist ein Schritt der gut überlegt werden sollte. Ist dann doch nach ausführlicher Diagnose und ärztlicher Beratung die Entscheidung pro Medikament getroffen worden, dann müssen Eltern eines AD(H)S-Kindes kein schlechtes Gewissen haben. Schließlich geht es am Ende darum, dem Kind zu helfen und damit einen sehr belastenden Teufelskreis zu durchbrechen.

 

Das Infoportal "Familie-mit-ADHS" hat das Ziel, bei der Auseinandersetzung mit einer medikamentösen Behandlung von AD(H)S Orientierungshilfe zu bieten. Dazu werden im Folgenden die hier aufgeführten Fragen behandelt:

  • Frage 1: "Welche Medikamente werden eingesetzt?"
  • Frage 2: "Wie wirken Medikamente bei AD(H)S?"
  • Frage 3: "Sind Medikamente eine Lösung?"
  • Frage 4: "Kann ich Medikamente bei ADHS überhaupt verantworten?"
  • Frage 5: "Ist eine medikamentöse Therapie gefährlich?"
  • Frage 6: "Gibt es hoömopathische Medikamente bei ADHS?"
  • Frage 7: "An wen kann ich mich mit meinen Fragen wenden?"
  • Frage 8: "Welcher Arzt würde unsere Familie bei der Medikamentengabe verlässlich begleiten?"
  • Frage 9: "Ist es sinnvoll die Medikation zwischendurch auszusetzen?"
  • Frage 10: "Was kann ich als Familie noch tun, um meinem Kind zu helfen?

An dieser Stelle werden zwar auch Medikamente genannt, aber hauptsächlich auf bestehende Informationsquellen verwiesen. "Familie-mit-ADHS" kann und wird keine Beratung oder Empfehlung zu Medikamenten abgeben. Dafür stehen z.B. ausgebildete Kinderärzte oder Kinder- /Jugendpsychiater zur Verfügung.

Frage 1: "Welche Medikamente werden eingesetzt?"

 

Zur Behandlung von ADHS sind in Deutschland vier Wirkstoffe zugelassen:

  • Das Amphetamin-Derivat "Methylphenidat" (Handelsnamen beispielsweise Medikinet, Concerta, Ritalin, neu seit April 17: Kinecteen)
  • "Atomoxetin" (Handelsname Strattera)
  • "Dexamphetamin" (Handelsname Attentin)
  • "Lisdexamfetamin" (Handelsname Elvanse)

Quelle: adhspedia.de/wiki/Medikamente und www.gesundheitsinformation.de

 

Der bekannteste, am längsten beobachtete und am häufigsten eingesetzte Wirkstoff ist Methylphenidat. Bei einer mangelhaften Zufuhr wichtiger Botenstoffe/Neurotransmitter wie z.B. Dopamin, hilft Methylphenidat diesen Botenstoff in ausreichender Menge in das Gehirn des AD(H)S-Kindes zu transportieren. Laut Aussage von Döpfner, Schürmann und Lehmkuhl in "Wackelpeter & Trotzkopf" "liegt der Anteil der Schulkinder mit hyperkinetischen Störungen, deren Verhalten sich infolge der medikamentösen Behandlung im Unterricht normalisiert, bei 50 % bis 70 %". Besonders die Konzentrationsfähigkeit und die Impulssteuerung scheint durch die Wirkung der Medikamente positiv beeinflusst zu werden.

 

Wichtig zu verstehen ist, dass nicht jedes Kind gleich reagiert und profitiert. Möglicherweise benötigt es eine längere Zeit, um unter ärztlicher Begleitung den richtigen Wirkstoff und Dosierung herauszufinden. Zum Beispiel setzt sich das "normale" Methylphenidat schneller im Körper frei und scheint im Verhältnis zu anderen Präparaten, schneller eine spürbare Wirkung zu erzielen. Allerdings ist die Wirkdauer im Durschschnitt auf drei bis vier Stunden begrenzt. Sogenannte "Retard-Präparate", wie z.B. Medikinet retard oder Ritalin LA (Handelsnamen), haben eine andere Zusammensetzung und längere Wirkdauer. Allerdings scheint eine sichtbar hilfreiche Wirkung nicht unbedingt bei jedem Kind einzutreten, auch wenn dies bereits positiv auf ein "normales" Methylphenidat-Präparat reagiert hat.

 

Bei dem Medikament "Straterra" muss eine Behandlung sogar über mehrere Wochen erfolgen, bis überhaupt eine positive Wirkung eintritt.

 

Entsprechend ist eine individuelle, gut begleitete, Austestung unbedingt notwendig, um für jedes AD(H)S-Kind das passende Medikament zu finden.

 

Nähere, gut verständliche Informationen zu Wirkung und Einsatz finden Sie auf www.gesundheitsinformation.de.

 

Frage 2: "Wie wirken Medikamente bei AD(H)S?"

 

Die Forschung hat herausgefunden, dass die Medikamente den gestörten Hirnstoffwechsel positiv beeinflussen können. Vor allem Botenstoffe (Neurotransmitter) wie Dopamin und Noradrenalin, scheinen für das Kind mit Hilfe spezieller Medikamente im Gehirn besser gesteuert zu werden. Es wird vermutet, dass bestimmte Botenstoffe bei der Entstehung von AD(H)S eine entscheidene Rolle spielen (siehe auch Ursachen).

 

Doch Achtung: Es kann sein, dass es relativ lange dauert bis das richtige Medikament und die richtige Dosierung gefunden wird. Stoffwechselabläufe und Störungen sind individuell bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Darum gibt es auch keine pauschale Empfehlung über Medikament und Dosierung. Es ist wichtig, genau auf die Wirkung zu gucken und eng einen Facharzt/Therapeuten während der medikamentösen Therapie einzubinden.

 

Es ist auch möglich, dass die Ursache für das AD(H)S-typische Verhalten nicht an einer Botenstoffstörung im Gehirn liegt, sondern ganz andere Ursachen hat (z.B. Lern- störung, Überforderung, Nahrungsmittelunverträglichkeit) und eine medikamentöse Behandlung in dem Fall nicht angeraten und hilfreich ist.

 

Frage 3: "Sind Medikamente eine Lösung?"

 

Diese Frage sollte nur in enger Absprache und gesicherter Diagnose von einem wirklich erfahrenen Kinderarzt oder besser einem Facharzt für Kinder- / Jugendpsychiatrie beantwortet werden.

 

Es wird von Experten empfohlen, langfristig anhaltende Verhaltensstörungen abklären zu lassen und sich im Fall von stark ausgeprägten ADS/ADHS-Symptomen frühestens ab einem Alter von sechs Jahren über eine Medikamententherapie dann beraten zu lassen wenn,...

  • ...über eine lange Phase sehr ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten vorliegen, wie beispielweise stark mangelnde Konzentrationsfähigkeit, fehlendes Sozialverhalten, ausgeprägte Wahrnehmungsstörungen, lang anhaltendes impulsives und oppositionelles Verhalten;
  • ...dieses Verhalten über lange Dauer das Familienleben, den Schulalltag und das Sozialleben mit Freunden übermäßig beanspruchen;
  • ...das Kind trotz aller Bemühungen aus eigener Kraft keine Chance hat, aus der negativen Verhaltensspirale herauszukommen;
  • ...im Rahmen einer Verhaltenstherapie die ADHS-Symptomatik sich nicht hinreichend verbessern lässt und beeinträchtigende ADHS-Symptome weiterhin bestehen.

Quelle: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org

 

Frage 4: "Kann ich/wir Medikamente überhaupt verantworten?"

 

So schwer der Schritt auch ist, seinem Kind Psychopharmaka verabreichen (zu müssen), manche Medikamente können ADHS-Kindern (und damit deren Familie) tatsächlich helfen, deutlich besser durch den Alltag zu kommen. Ein gut ausgebildeter Facharzt kann in der Regel richtig beurteilen, ob eine Medikation angebracht und sinnvoll sein kann.

 

Es wird allerdings empfohlen nicht vor dem sechsten Lebensjahr mit einer Medikation wie z.B. Methylphenidat zu beginnen (Quelle: http://www.adhspedia.de/wiki/Methylphenidat).

 

Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, eine Medikation auszuprobieren solange...

  • ...die Verhaltensschwierigkeiten langfristig das Kind hindern, den Alltag mit der Familie, in Schule und im sozialem Kontext meistern zu können;
  • ...keine anderen therapeutischen/erzieherischen Maßnahme dem Kind ausreichend helfen können;
  • ...die Familie eng vom Facharzt/Therapeuten betreut und zu den Medikamenten, Dosierung und Nebenwirkung mit ganzheitlichem Blick auf das Kind beraten wird;
  • ...die Diagnose vernünftig gestellt wird;
  • ...eine Dosierung langsam und betreut eingestellt wird;
  • ...das Kind eine postive Unterstützung erfährt und nicht etwa stark negativ auf die Medikamente reagiert.

 

Frage 5: "Ist eine medikamentöse Therapie gefährlich?"

 

Methylphenidat wird seit rund 60 Jahren bei ADHS verwendet. Die Medikamente bauen laut einem Interview von t-online.de mit Herrn Klaus Skrodzki (stellvertretender Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ADHS beim Verband der Kinder- und Jugendärzte) keinen Wirkspiegel im Blut auf und werden relativ schnell verstoffwechselt. In dem Online-Artikel zum Interview "Ritalin nicht einfach absetzen" wird ausgesagt, dass Methylphenidat kein Beruhigungsmittel ist, sondern hilft, Kontrollzentren im Gehirn zu aktivieren, so dass einem ADHS-Kind situationsangepasstes Verhalten ermöglicht werden kann.

 

Die "Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte (AG ADHS)" beantwortet die Frage nach der Gefährlichkeit von Methylphenidat folgendermaßen:

"Nach sorgfältiger Diagnosestellung und genauer Aufklärung der Eltern, Betreuenden ist die medikamentöse Therapie zuverlässig, sicher, wirksam und ungefährlich. Die Nebenwirkungen sind bei richtiger Dosierung gering und bei der Schwere der Störung zu vernachlässigen. Langzeitnebenwirkungen oder Abhängigkeit sind nicht bekannt. Eindeutig konnte in einer großen amerikanischen Untersuchung (MTA-Studie) gezeigt werden, dass die medikamentöse Therapie mit Stimulanzien die wirksamste Behandlung ist, sowohl für die Besserung der Kernsymptome bei ADHS als auch zur Vorbeugung und Verhinderung von Unfällen, von Sucht und Kriminalität. Die besten Erfolge erzielt eine medikamentöse Therapie, wenn sie in ein Gesamtbehandlungskonzept eingebettet ist."

 

Eine Langzeitbehandlung scheint, zumindest nach heutigem Stand, mit Methylphenidat möglich zu sein. "Die Dauer der Therapie ist abhängig vom Ausmaß der Störung und dem Entwicklungsgang des Kindes und Jugendlichen. Bei guter Unterstützung und günstigem Verlauf kommt ein Teil der Betroffenen später ohne eine weitere medizinische Hilfe aus."

 

Auch wenn vor allem der Wirkstoff "Methylphenidat" bereits lange eingesetzt wird und als grundsätzlich ungefährlich eingestuft wird, sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Besonders häufig scheinen Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Wachstums-verzögerung, Tics, Einschlafschwierigkeiten und Schlafstörungen aufzutreten. Auch ist häufig ein sogenannter "Rebound-Effekt" zu beobachten. Das bedeutet, dass nach Ablauf der Wirkdauer die schwierigen Verhaltensweisen wie z.B. Impulsivität, Lautstärke, Aggression oder Konzentrationsschwäche besonders extrem auftreten.

 

Frage 6: "Gibt es hoömopathische Medikamente bei ADHS?"

 

Es gibt diverse hoömopathische Ansätze und Heilmittel, die bei ADHS-Symptomen zur Verwendung kommen können. Das Infoportal "Familie-mit-ADHS" kann hierzu keine Empfehlung oder Beratung vornehmen.

 

Um ein wirksames hoömopathisches Heilmittel finden zu können, ist in der Regel eine ganzheitliche Diagnose mit genauer Betrachtung von Symptomen und möglicher Ursache notwendig. Um sich über hoömopathische Medikamente beraten zu lassen, stehen Hoömopathen, Heilpraktiker, oder auch hoömopathisch ausgerichtete Fachapotheken als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

"Hoömopathie versus Ritalin" wird auf der website "PraxisVita" von Dr. Heiner Frei (Kinderarzt, Homöopath) und Dr. von Ammon (Neurochirurg, Homöopath) dargestellt. Auf dieser website wird erklärt was Homöopathie bei ADHS bewirken kann.

 

Wissenschaftliche Studien beschäftigen sich darüberhinaus seit längerem mit der Wirksamkeit von Mikronährstoffen wie zum Beispiel von B-Vitaminen, Amino- oder Fettsäuren zur Behandlung von ADHS-Symptomen. Eine Publikation aus 2004 von den Autoren Dr. med. Hans-Günter Kugler und Dr. med. Anna-Maria Groß zu "ADHS und Mikronährstoffe", ist auf der Internetseite www.diagnostisches-centrum.de zu finden. Spezielle medizinische Labore können Hormon- und/oder Botenstoffmängel mit neurologischem Einfluss testen und dem Körper fehlende Nährstoffe analysieren. Es ist empfehlenswert, auch diese alternative Behandlungsmethode von einen spezialisierten Facharzt oder Heilpraktiker begleiten zu lassen. Weitere Informationen zu dieser Methode können Sie im Bereich Ursachen finden.

 

Frage 7: "An wen kann ich mich mit meinen Fragen wenden?"

 

Die Verhaltensschwierigkeiten werden für alle zu einer großen Belastung und Sie möchten das Thema Medikamente zumindest einmal besprechen? Sie wissen nicht an wen Sie sich wenden sollen?

 

Tipp: Wenden Sie sich für Ihre ersten Überlegungen an eine Person Ihres Vertrauens. Jemand der Ihr Kind und Sie gut kennt, kann die Situation am besten einschätzen und Ihnen helfen einen Facharzt zu finden.

 

Das kann z.B. sein:

  • Kinder- oder HausarztIn
  • ErgotherapeutIn
  • KlassenlehrerIn

Fachstellen für Diagnose und Beratung sind:

  • Kinder- und JugendpsychiaterIn
  • Kinder- und Jugendpsychologe/In
  • Diagnosezentren (z.B. SPZ)

 

Frage 8: "Welcher Arzt kann unsere Familie bei der Medikamentengabe verlässlich begleiten?"

 

Praxen für Kinder- und Jugendpsychiatrie sind nicht in jeder Region gleich weit verbreitet. Da in der Regel eine enge Zusammenarbeit über längere Zeit, möglicherweise über mehrere Jahre ansteht, ist es gut, wenn man nicht nur auf Ortsnähe achtet, sondern von Beginn an auch viel Wert auf eine umfassende, engmaschige Beratung /Betreuung gelegt wird.

 

Medikamente zur Behandlung von ADS/ADHS-Symptomem sollten nicht ohne ausführliche Diagnose sowie regelmäßige Untersuchungen z.B. auf Wirkung, aber auch Nebenwirkungen (!), des Wachstums, des Blutdrucks und der Blutwerte verschrieben werden.

 

Frage 9: "Ist es sinnvoll die Medikation zwischendurch auszusetzen?"

 

Man kann das Medikament zwischendurch aussetzen. Dies sollte allerdings zusammen mit dem begleitenden Arzt entschieden werden. ADHS ist laut Aussage von Herrn Klaus Skrodzki in einem Interview mit t-online.de "Ritalin nicht einfach absetzen" eine zu 80 Prozent genetische Störung, die in ihrer Ausprägung von vielen Faktoren abhängig ist. "Kinder mit einer ADHS sind unruhig, impulsiv, lassen sich ablenken, stören die anderen. Es fällt ihnen schwer, konzentriert und ausdauernd bei einer Sache zu bleiben, insbesondere wenn die nicht so interessant ist, wie das in der Schule schon mal vorkommt. Aufmerksam zu sein ist erheblich schwieriger für sie als für andere Kinder."

 

Durch die Medikamente kann laut Herrn Skrodzki (stellvertretender Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ADHS beim Verband der Kinder- und Jugendärzte) ein ADHS-Kind in die Lage versetzt werden, seine Fähigkeiten einzusetzen: Länger und konzentrierter mitzuarbeiten und damit auch Erfolge zu haben. "Aber Kinder lernen nicht nur in der Schule, sondern auch im Alltag. Soziales, aufmerksames Verhalten brauchen diese Kinder natürlich auch in der schulfreien Zeit." Manche Kinder schaffen den Alltag außerhalb der Schule auch ohne Medikamente gut, für manche kann das Medikament eine wichtige Unterstützung auch bei der Bewältigung von außerschulischen Anforderungen sein.

 

Mindestens einmal im Jahr eine Medikamentenpause einzulegen (sinnvoll am Wochenende oder in den Ferien), um feststellen zu können, ob das Kind mittlerweile ohne das Medikament die Alltagssituationen bewältigen kann, wird von Ärzten und Psychologen empfohlen.

 

Frage 10: "Was kann ich als Familie noch tun, um meinem Kind zu helfen?"

 

Alleine auf Medikamente zu setzen, hilft dem Kind auf lange Sicht nicht. Medikamente können in vielen Fällen zwar Symptome lindern, aber weder Ursachen beheben noch Probleme lösen. Um das Kind und die Familie im Umgang mit den ADHS-Symptomen wirklich zu stärken, haben sich ergänzende pädagogische, soziale und psychotherapeutische Maßnahmen sowie eine spezielle Elternberatung als hilfreich und wichtig erwiesen.

Schlechtes Gewissen?

 

Sie haben trotz reiflicher Überlegungen, unter Betrachtung aller notwendigen Diagnosen, und trotz des hohen Leidensdrucks ein schlechtes Gewissen, dass Sie Ihrem Kind ein Medikament zur Verringerung der ausgeprägten AD(H)S-Verhaltensweisen geben?

Oder Ihr Kind verweigert von sich aus die Medikamenteneinnahme?

 

Ihre Entscheidung immer mal wieder zu überprüfen und zu hinterfragen, ist sicherlich sinnvoll. Dabei können bestimmt auch die behandelnden Therapeuten eingebunden werden. Aber ein stark ausgeprägtes schlechtes Gewissen hilft bei einer gut begründeten Medikation am Ende niemanden weiter.

 

Im Rahmen der Selbsthilfegruppe für ADHS-betroffene Eltern hat eine Mutter ein wirklich gutes Bild eingebracht. Dies darf ich an dieser Stelle teilen:

 

"Das Gehirn bei einem Kind mit ADS/ADHS ist wie ein Auto, dass auf einer mehrspurigen Straße mit vielen Abzweigungen und zwischen sehr viel Verkehr unterwegs ist. Das Kind ist der Autofahrer, der mit dem Verkehr, den Geräuschen, den vielen Straßenschildern und der komplexen Streckenführung völlig überfordert ist. Das Medikament (z.B. Ritalin) ist wie ein Navigationssystem, dass hilft dem Hirn eine Richtung vorzugeben und damit zu mehr Struktur und Übersicht verhilft."

Das könnte Sie auch interessieren:

ADHS und Schule

Eines Tages ist es soweit, das Kind muss zur schulärztlichen Untersuchung. Das Ergebnis ist bei ADS/ADHS-Symptomen selten wirklich befriedigend. Entwicklungsverzögerungen, Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten im Regelverhalten, Wahrnehmungstörungen, motorische Unruhe, Impulsivität, oppositionelles Verhalten... lesen Sie mehr

 

 

 

 

 

 

Die AD(H)S-Selbsthilfegruppe in Hennef freut sich über neue Eltern.

Kontakt: selbsthilfegruppe(at)

familie-mit-adhs.de